Mehr als 400 Veranstaltungen fanden in diesem Jahr bundesweit während der Woche der Klimaanpassung statt. Wie unterschiedlich Kommunen und Regionen auf Hitze, Trockenheit und andere Folgen des Klimawandels reagieren, zeigte sich vielerorts.
Vielfältige regionale Initiativen
Im Märkischen Kreis z. B. bündelte ein eigenes Programm zahlreiche Aktivitäten zur Klimaanpassung im südlichen Nordrhein-Westfalen. Auf dem Elbcampus Hamburg kamen berufliche Praxis und Klimaresilienz zusammen. Auch Brandenburg an der Havel, Aschersleben und der Spreewald präsentierten vielfältige regionale Initiativen.
Ein anschauliches Beispiel aus Bremen ist der neue Klimaturm auf der Überseeinsel. Die Großwärmepumpe nutzt Außenluft zur Wärmeversorgung des Quartiers und kann grundsätzlich auch Kälte bereitstellen. Damit steht sie zwar vor allem für die kommunale Wärmewende, zeigt aber zugleich, wie technische Infrastruktur künftig helfen kann, Städte klimaresilienter zu machen.
Klimaanpassung als reaktiver Prozess
Das Science Media Center (SMC) in Köln nahm die „Woche der Klimaanpassung“ zum Anlass, um zu erfahren, wie es aktuell um die Anpassung in Deutschland bestellt ist. Generell sei Anpassung immer noch „ein reaktiver Prozess“, meint etwa die Entwicklungsgeographin Lisa Schipper von der Uni Bonn. Den Regierungen auf verschiedenen Ebenen sowie der Bevölkerung werde aber zunehmend bewusst, wie wichtig Vorsorge und Veränderungen seien. Schippers Negativbeispiel: „Wie wir im Sommer feststellen mussten, starben in Europa mindestens 35 000 Menschen an den Folgen der Hitze. Dennoch gaben die Regierungen erst Warnungen an gefährdete Bevölkerungsgruppen heraus – etwa mit der Aufforderung, tagsüber im Haus zu bleiben oder Wohnräume kühl zu halten – als die Lage bereits äußerst kritisch war.“
Hitzeschutz in Wohnungen
„Beim Hitzeschutz in Wohnungen unterschätzen wir den Faktor Verhalten“, sagt Regine Ortlepp vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden. Konsequentes Nachtlüften und tagsüber geschlossene Fenster bewirkten oft genauso viel wie teure bauliche Maßnahmen, findet sie. Äußere Verschattung sei der effektivste Hebel an Gebäuden, wobei innenliegende, reflektierende Rollos eine schnelle und kostengünstige Sofortmaßnahme darstellten.
Bei anhaltenden Tropennächten stoße passive Hitzeanpassung an physikalische Grenzen, weil Gebäude nachts nicht mehr ausreichend auskühlen, so Ortlepp: „Dann führt kein Weg an aktiver Kühlung vorbei, was jedoch durch die Abwärme der Geräte den Straßenraum zusätzlich belastet.“ Die IÖR-Leiterin des Forschungsbereichs „Gebaute Umwelt – Ressourcen und Umweltrisiken“ empfiehlt, die Kühlung direkt mit PV zu koppeln, da der Ertrag zeitlich gut zum Kühlbedarf bei Sonnenschein passe.
Das im Projekt „Heat-Resilient-City“ entwickelte HRC-Hitzetool zeigt beispielsweise über ein einfaches Ampelsystem, wie sich konkrete Maßnahmen in Gebäuden und im Freiraum auf die Hitzebelastung auswirken, „und unterstützt so fundierte Entscheidungen“.
Nur wenige Maßnahmen erfolgreich
Es gebe in puncto Klimaanpassung nur sehr wenige Maßnahmen, die man als „erfolgreich“ bezeichnen könne, sagt Entwicklungsgeographie-Professorin Lisa Schipper: „Als der Rhein diesen Sommer extremes Niedrigwasser führte, musste der Gütertransport auf die Schiene verlagert werden. Doch die Bahninfrastruktur ist darauf nicht ausgelegt. Dennoch muss dieser Punkt im Rahmen einer umfassenden Verkehrsstrategie Priorität erhalten, die den sommerlichen Wassermangel in den Flüssen berücksichtigt.“
Zudem zeige sich hier, dass Klimaanpassung und die Minderung von Treibhausgasemissionen keine getrennten Themenbereiche sind. Auch Energie, Verkehr und Infrastruktur müssen Teil der umfassenderen Debatte über Anpassungsmaßnahmen sein, so Schipper.
Klimaanpassung in Projektplanung und Investitionsentscheidungen integrieren
Fragen der Klimaanpassung müssen noch viel stärker in Planungen, Projekte und Investitionsentscheidungen integriert werden, sagt auch Jörn Birkmann, Leiter des Instituts für Raumordnung und Entwicklungsplanung der Uni Stuttgart. „Zum Beispiel im Straßenbau, bei der Bahn, in Krankenhäusern, bei Brücken, bezüglich digitaler Systeme/Techniken und Wohnraumbereitstellung.“
Unterm Strich betonen alle Experten: Anpassung kann Klimaschutz nur überbrücken, nicht ersetzen. Klimaschutz muss die prioritäre Aufgabe sein. Zwar seien Anpassungsmaßnahmen direkt erfahrbar – etwa kühlere und verschattete Plätze bei Hitzestress. Doch die beste Form der Anpassung bleibt die Verringerung der Treibhausgasemissionen.
Autor: Tim Bartels aus der Ausgabe 10/2026 der UmweltBriefe.
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Weiterführende Informationen:
Hitzeschutz in Deutschland: Stand und Herausforderungen: Hitzeschutz in Deutschland: Stand und Herausforderungen
Heat Resilient City: HeatResilientCity
Online-Tool zur Bewertung von Hitzeschutz in Städten: HRC-Tool
Video, das Eindrücke aus fünf Jahren „Woche der Klimaanpassung“ zeigt: zentrum-klimaanpassung.de/sites/default/files/2026-09/2026 – Momentaufnahmen – 5 Jahre WdKA_LowRes %281%29.mp4?bulk_email_rid=160&bpmtrackid=1&bpmreplica=0&contactId=3e9bb615-e369-4aeb-af2e-ffc5e7eebc9c&bulkEmailRecipientId=877b4f9b-25b4-4fe0-a90e-7b8176e73141
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