„Bio wächst trotz Konsumflaute“, freut sich der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) nach Bekanntgabe der Zahlen des zweiten Quartals 2026. Doch zugleich beklagt die Branche einen „politischen Richtungswechsel“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMELH).
Bio-Lebensmittel stechen heraus
Der Umsatz mit ökologisch erzeugten Produkten stieg von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahresquartal laut BÖLW um 3,8 Prozent auf 4,75 Mrd. Euro. Zusammen mit den 6 Prozent plus im 1. Quartal gegenüber 2025 ergeben sich damit fürs erste Halbjahr 2026 bei Bio-Lebensmitteln 4,9 Prozent mehr Umsatz. Damit steche dieses Segment aus dem stagnierenden Lebensmittelmarkt heraus, berichtet der BÖLW: „Der Gesamtumsatz entwickelte sich im ersten Halbjahr in Höhe der Inflationsrate von 1,4 Prozent.“
Besonders sei das Wachstum bei den Drogeriemärkten im zweiten Quartal ausgefallen mit 19,7 Prozent plus gegenüber 2025. Dabei profitierten DM und Rossmann von erweiterten Bio-Sortimenten. Die meiste Bio-Ware vertrieben die Vollsortimenter mit 31,5 Prozent Anteil, gefolgt von Discountern (26,9), Fachhandel (17,3) und Drogeriemärkten (12,5). Restliche 11,8 Prozent verteilten sich auf Hofläden, E-Commerce (3,2) und Bäckereien, Schlachtereien wie auch Tankstellen.
Millionen-Kürzungen beim ökologischen Landbau
„Bio-Lebensmittel stehen auch in Krisenzeiten auf der Einkaufsliste der Deutschen“, frohlockt BÖLW- Chefin Tina Andres. Doch ihre Freude währte nicht lange, als der Bundeshaushalt für 2027 bekannt wurde. Demnach soll der Titel „Zukunftsfähige, umwelt- und ressourcenschonende Landwirtschaft und ökologischer Landbau“ um 21 Millionen Euro gekürzt werden, ein Minus von 31,3 Prozent. Zudem sollen nicht-investive Mittel der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK), aus denen viele Ökolandbau- und Agrarumweltprogramme finanziert werden, mehr als 100 Millionen Euro weniger zur Verfügung stehen, während investive GAK-Mittel für z. B. Stallneubauten erhöht werden.
Fehlende Planungssicherheit
Dabei werde der Gesamtetat des BMLEH nur um 0,28 Prozent gekürzt: auf 6,973 Milliarden Euro. „Kürzungen sind das falsche Signal: Betriebe, die besonders nachhaltig wirtschaften, benötigen Rückendeckung und Planungssicherheit“, sagt Peter Röhrig vom BÖLW. Dagegen stellt BMLEH-Chef Alois Reiner klar, dass er in der aktuellen Lage konventionelle Betriebe und Investitionsmaßnahmen priorisiere und die Haushaltsmittel zielgerichteter einsetzen wolle. Das 30-Prozent-Bio-Ziel werde zumindest weiterverfolgt. Formal.
Autor: Tim Bartels aus der Ausgabe 9/2026 der UmweltBriefe.
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Weiterführende Informationen:
Grafik des BÖLW zur Umsatzentwicklung von Bio-LebensmittelnN. ]BÖLW_Umsätze_Q2_26.png (738×923)
Grafik zur Handels-Anteilen am Bio-Umsatz des BÖLW: BÖLW_Q2_26.png (738×923)