Der Gendarmenmarkt ist eins der Beispiele der Berliner Regenwasseragentur für das Prinzip Schwammstadt.
Nach zweijähriger Umbauzeit wurde der Berliner Gendarmenmarkt im März 2025 wieder geöffnet. Ausgerechnet diese „Steinwüste“ soll ein Beispiel für die Schwammstadt Berlin laut Berliner Regenwasseragentur sein? Foto: Bauarbeiten zum Umbau des Gendarmenmarkts in Berlin. Leonhard Lenz/Wikimedia Commonns.
11. September 2026 | Klimaschutz und Klimaanpassung

Schwammstadt Berlin: Grün-blauer Stadtraum gefragt

Vor acht Jahren haben das Land Berlin und dessen Wasserbetriebe (BWB) die Berliner Regenwasseragentur ins Leben gerufen. Deren Aufgabe: Planer, Investoren und Behörden zu beraten in Sachen Schwammstadt. Über dieses Prinzip der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung will die Agentur aber auch Bürgerinnen und Bürger informieren – zum Beispiel während einer geführten Fahrradtour zu bereits umgesetzten Schwammorten.

Erste Station: Piano-See am Potsdamer Platz

Erste Station ist der Piano-See am Potsdamer Platz, ein knapp zwei Fußballfelder großes, aber nur bis 1,8 m flaches Gewässer, gespeist aus vier Zisternen. Das Regenwassermanagement inklusive grüner Dächer hatte der italienische Architekt Renzo Piano in seinen Planen in den 1990er-Jahren von Anfang an mitgedacht. „Von Schwammstadt hat damals noch niemand gesprochen, auch nicht von Klimaanpassung, es ging um Gewässerschutz“, sagt Wolfram Schroff von der Berliner Regenwasseragentur.

Der Tour-Guide zeigt den Teilnehmenden auf einer laminierten Schautafel die unterschiedlichen Schichten der Dachbegrünung: Die Substratschicht, also der künstlich zusammengesetzte Wurzel- und Nährboden, hält das Wasser wie ein Schwamm. Ist das Substrat gesättigt, sickert überschüssiges Wasser in die darunter liegende Drainageschicht und wird gespeichert. Und schließlich wird verbleibender Dachabfluss in Zisternen gesammelt.

„Schon damals galt das Ziel, 99 Prozent des anfallenden Niederschlags auf dem Areal zurückzuhalten, statt ihn unmittelbar in die Kanalisation abzuleiten“, erklärt Schroff. Überschüssiges Wasser gelange in die künstlich angelegten Seen und werde dort über schilfreiche Ufervegetation gereinigt und im Kreislauf geführt. Sagt es und steigt wieder auf sein Radl Richtung Gendarmenmarkt, im Schlepptau die teilnehmenden Pedaleure.

Zweite Station: Gendarmenmarkt

Der sanierte Gendarmenmarkt musste viel Häme einstecken. Das Entsetzen war groß, „eine kahle, konturlose, steinerne Fläche ohne jeden Ansatz von Gestaltung“, hieß es von Kritikerseite. Einen Pluspunkt erklärt Schroff auf der Treppe des Deutschen Doms: Am Rande des 1,4 ha großen Platzes befinden sich auf etwa 750 m lange Ablaufrinnen, die das Regenwasser zu unterirdischen Kunststoffrigolen führen, wo es gesammelt wird und langsam versickern kann. Der Platz habe kein Grün bekommen, weil er sein altes Stadtbild wiedererhalten sollte, sagt Schroff. Denkmalschutz! Und weil dort häufig Events stattfinden, wo Bäume offenbar stören. Tatsächlich verstellen am Tag der Radtour ein Tribünen- und Zeltstadtaufbau die Sicht: Das Festival „Classic Open Air“ steht dort an.

Dritte Station: der Hegelplatz und eine vielgestaltige Versickerungsanlagen

Vom Gendarmenmarkt geht es radelnd weiter in die dicht bebaute Berliner Dorotheenstadt zum Hegelplatz. Der wurde 2024 weitgehend entsiegelt und umfasst neuerdings eine große Rasenfläche, auf der Kastanien viel Schatten bieten. Niederschläge können direkt im Boden versickern. Am Rande des Platzes auf der wasserdurchlässig gepflasterten Straße zeigt Schroff vier Filterrinnen, in die das Regenwasser über ein leichtes Gefälle reinfließt und mithilfe eines natürlichen Substrats gereinigt wird, bevor es langsam ins Grundwasser sickert. „Das ist eine wasserwirtschaftliche Anlage, die jetzt noch relativ neu ist in Berlin. Und die wird von den Berliner Wasserbetrieben gewartet und unterhalten“, berichtet Schroff.

Auf der anderen Seite dieses Straßenabschnitts verstecken sich zwei sogenannte Grüne Gullys. „Es geht darum, dass man Flächen um einen Gully herum entsiegelt und begrünt“, erklärt der Experte für Regenwasser. Es könne dann auf seinem Weg zum Mischwasserkanal in Teilen von dieser bepflanzten Fläche zurückgehalten werden und versickern. Damit lasse sich schon ein relativ großer Teil des Regenwassers zurückhalten, sagt Schroff.

Und noch eine weitere Versickerungsanlage kann der Tour-Guide exemplarisch vorführen: eine mit unterschiedlichen Sträuchern und Baumhasel bepflanzte Mulde. Dort im südlichen Teil des Hegelplatzes wird das anfallende Niederschlagswasser vom einzig bepflasterten Vorplatz hingeleitet, gereinigt von einem durchlässigen Substrat und kann schließlich ins Grundwasser versickern.

Das Prinzip Schwammstadt nimmt Fahrt auf

Die Radtour hat gezeigt: Das Prinzip der Schwammstadt hat in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen hat, nicht nur in Berlin. Vor allem im Neubau passiert sehr viel. Wo es nur schleppend vorangeht, ist im Bestand, das heißt in der bebauten Stadt, wo es auch die größten Herausforderungen gibt.

Autor:  Tim Bartels aus der Ausgabe 9/2026 der  UmweltBriefe.

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Weiterführende Informationen:

Berliner Regenwasseragentur:  Berliner Regenwasseragentur: Wir helfen Regenwasser zu nutzen

Infoplattform Schwammstadt:  Infoplattform Schwammstadt – Für ein klimaangepasstes Wassermanagement im Siedlungsgebiet

difu „Was ist eigentlich Schwammstadt?“:  Was ist eigentlich … Schwammstadt? | Deutsches Institut für Urbanistik