Bundesumweltminister Carsten Schneider will im großen Stil die Wiedervernässung von Mooren und die Paludikultur fördern. Er startete kürzlich ein milliardenschweres Programm, das die Renaturierung von 90 000 ha trockengelegter Moorfläche ermöglichen soll. „Die größte Unternehmung, die wir in Deutschland jemals hatten zur Wiedervernässung“, gibt der SPD-Minister an. Dafür stellt sein Haus aus dem Klima- und Transformationsfonds 1,75 Mrd. Euro bis Ende 2029 bereit.
Neue EU-Förderrichtlinie und neue Fördergelder
Die EU-Kommission hat die neue Förderrichtlinie „Maßnahmen zur dauerhaften und weitgehenden Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden (Palu)“ bereits genehmigt. Damit seien hohe Erwartungen verbunden, heißt es aus dem Greifswald Moor Centrum. Viele hatten darauf hingearbeitet: Wissenschaftler:innen, indem sie die Klimaschutzwirkung nasser Moore belegten und Landwirt:innen, indem sie die Paludikultur testeten sowie Unternehmen, indem sie erste Produkte aus Moorpflanzen entwickelt haben.
Wiedervernässung und Bewirtschaftung gehen Hand in Hand
Zur Vorstellung seines Programms hatte Minister Schneider denn auch einen Landwirt mitgebracht: den Brandenburger Sebastian Petri, der vom Gelingen seiner Moorwirtschaft berichtete: „Wir haben zwei umgebaute Pistenraupen mit speziell angefertigten Ketten, die die Grasnarbe nicht verletzen, ein Mähwerk mit eigenem Fahrwerk, um das Gewicht zu reduzieren, und ansonsten nutzen wir bei allen Maschinen die breiteste Bereifung, die es gibt.“
Moorwirt Petri aus dem Oberen Rhinluch ist auf seinem kleinen Familienbetrieb mit fast 160 ha bereits seit elf Jahren dabei, das Wasser zurückzuhalten. „Wir versuchen auch andere Landwirte davon zu überzeugen“, sagt er: „Wir werden immer mehr. Jetzt geht es in die Umsetzung zu einer guten Verwertungsform.“ Petris Hauptstandbein ist sein produziertes Heu aus dem Rohrglanzgras und der Segge seiner Nasswiese. Es sei als kräuterreiches Tierfutter vor allem für Pferde geeignet, sagt er. „Die Biomasse hat ein sehr, sehr hohes Potenzial, genutzt werden zu können.“
Zudem lasst der 40-Jahrige seinen Niedermoorstandort noch von 40 Wasserbüffeln beweiden. „Jetzt muss die Landwirtschaft mitziehen“, sagt der Moorklimawirt. Für Landwirte, die seit Jahrzehnten auf entwässerten Moorflächen wirtschaften, bietet das eine große Chance, da ihre Böden durch das Zersetzen des Torfs immer mehr absacken und dadurch an Fruchtbarkeit verlieren.
CO2- und Lachgasemissionen stoppen
Schlimmer noch: Torf besteht zu 50 Prozent aus Kohlenstoff, der bei der Trockenlegung als CO2 freigesetzt wird. Zudem speichern Moore Stickstoff, der bei Entwässerung als klimaschädliches Lachgas (N2O) in die Atmosphäre entweicht. Diesen klimaanheizenden Prozess kann die Wiedervernässung stoppen. In Deutschland gebe es noch etwa 100 000 ha intaktes nasses Moor, sagt der Bundesumweltminister. Aus bisher geforderten Renaturierungsprojekten sei es gelungen, 1 600 ha Moorfläche wiederzuvernässen.
Von neuer Förderung profitieren auch Kommunen
Schneider: „Wir brauchen noch viel mehr davon.“ Sein Ziel sind 90 000 ha wiedervernässte Moore bis 2040. Die Palu-Richtlinie setzt dazu die nötigen Anreize. Bauernverbände begrüßen das Programm. Doch es unterstützt nicht nur Landeigentümer und -bewirtschafter. Auch an Wasser- und Bodenverbände sowie an Kommunen und gewerbliche Unternehmen richtet sich die Förderung. Sie soll die Kosten abdecken für vorbereitende Beratungsdienste, Investitionen in der Durchführungsphase, Ausgleichszahlungen für wirtschaftliche Schäden infolge der Wiedervernässung und Beihilfen für die Schaffung von Paludikulturen.
Wiedervernässung von Mooren schafft neue Rohstoffe
Viele Unternehmen sehen darin auch schon eine wirtschaftliche Perspektive. Dazu gehört die Produktion von Bau- und Dammstoffen, aber auch von Verpackungen. Bestes Beispiel ist die Otto‑Gruppe, die für ihren Versand Paludi‑Biomasse als Beimischung bereits einen Anteil von 10 Prozent im Kartonrohpapier einsetzt – 80 bis 100 Prozent sind Recyclingfasern. Ziel der Otto-Gruppe ist es, künftig alle Versandkartons anteilig mit Paludi-Biomasse auszustatten, um den Verbrauch von Altpapier zu reduzieren. Auch die Baumarktkette Obi hat einen neuen Pflanzentransportkarton eingeführt, der ebenfalls zu etwa 10 Prozent aus Rohrglanzgrasfasern besteht.
Autor: Tim Bartels, aus UmweltBriefe Mai 2026.
Förderrichtlinie „Maßnahmen zur dauerhaften und weitgehenden Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden und zur Unterstützung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung wiedervernässter Moorbodenflächen“: BMUKN: Förderrichtlinie „Maßnahmen zur dauerhaften und weitgehenden Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden und zur Unterstützung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung wiedervernässter Moorbodenflächen“ | Download
Infos zum Programm: BMUKN: Palu: Wiedervernässung und Bewirtschaftung von Moorböden | Förderprogramm
Fragen und Antworten dazu: BMUKN: Palu: Wiedervernässung von land- und forstwirtschaftlich genutzten Moorböden | Cluster
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