Der IPCC hat seinen Weltklimareport vorgelegt.
Der IPCC hat seinen Weltklimareport vorgelegt, der mehr mediale Öffentlichkeit verdient hätte. Bild: Carlos Gardel/AdobeStock
5. Mai 2022 | Aktuelles

Weltklimareport: there’s no planet B

There’s no planet B: Keine Ersatzwelt nirgends, wenn der Klimawandel nicht mehr zu bremsen ist. Doch derzeit bestimmen die Coronakrise und der Krieg gegen die Ukraine die Medien, sie überlagern alles. Dabei ist am 4. April ein neuer Weltklimareport erschienen – und lief in der Tagesschau nur unter ferner. Steht da nichts Neues mehr drin?

Im Gegenteil. Der nun vorliegende dritte und letzte Teil des 6. IPCC-Sachstandsberichts, wie der Weltklimareport offiziell heißt, gilt als der wichtigste, weil es darin um die Maßnahmen geht, die Klimakrise einzudämmen. Wir brauchen dafür nicht nur mehr Klimaberichterstattung, wir brauchen infrastrukturelle Veränderungen. Ein Kapitel des Berichts steht unter der Überschrift „Systematische Transformation“

Klimaziele der Weltgemeinschaft

Die Netto-Treibhausgasemissionen sind seit 2010 in allen wichtigen Sektoren weltweit weiter gestiegen. Mit diesem niederschmetternden Trend beginnt der Berichtsteil der Arbeits­gruppe III „Minderung des Klimawandels“ im Weltklimareport. Um das Paris-Ziel von unter 2 Grad Er­wärmung, möglichst nicht mehr als 1,5 Grad plus einzuhalten, müssten die globalen Emis­sionen spätestens 2025 ihren Höhepunkt er­reichen und dann sinken, also in drei Jahren.

Wo steht die Weltgemeinschaft mit ihren derzeit angekündigten Klimazielen? Nach den jüngsten national festgelegten Beiträgen der Staatenlenker wird die globale Erwär­mung bis 2100 voraussichtlich zwischen 2,2 und 3,5 Grad Celsius liegen. Soll unter 2 Grad „wahrscheinlich“ werden, müssten die Staaten ihre Anstrengungen zur Emissions­minderung rasch beschleunigen. Spätestens in den frühen 2050er-Jahren müssten „glo­bale Netto-Null-CO2-Emissionen erreicht“ werden. Heißt im Klartext: Die Weltgemein­schaft muss es bis dahin geschafft haben, kli­maneutral zu wirtschaften, zu heizen und zu kühlen, genauso wie klimaneutral mobil zu sein und sich zu ernähren. Der IPCC fordert  im Weltklimareport daher von nun an „eine Verstärkung der po­litischen Maßnahmen, die über die bis Ende 2020 eingeführten hinausgehen“.

Urbane Räume großes Potenzial

Dem Bericht nach sollen urbane Räume Ge­legenheit bieten, um die Ressourceneffizienz zu steigern und Emissionen zu reduzieren. So könnten Städte begehbarer gestaltet, der Verkehr elektrifiziert und mit naturbasierten Lösungen die CO2-Aufnahme und -Speicherung verbessert werden. Hybrid- PKW sind sicherlich keine Lösung, dafür Elektrofahrzeuge, die mit Ökostrom fahren, sie böten „das größte Dekarbonisierungs­potenzial für den Verkehr an Land“. Nur für den Schiffs-, Luft- und Schwerlastverkehr an Land seien es nachhaltige Bio- und synthe­tische Kraftstoffe sowie grüner Wasserstoff.

Klimalösung für Gebäudesektor

Die Klimalösungen für den Gebäudesek­tor – was Heizen und Energiesparen betrifft – heißen Suffizienz, Effizienz und erneuer­bare Energien. Dagegen erhöhe eine wenig ehrgeizige Politik „das Risiko, dass Gebäude für Jahrzehnte in kohlenstoffbasiertem Mo­dus feststecken“, so heißt es im IPCC-Bericht.

Keine neuen Kohlemeiler

Es sollten keine fossilen Strukturen mehr entstehen, sprich: keine neuen Kohlemeiler. Der Verbrauch an fossilen Brennstoffen müs­se erheblich sinken. Unvermeidbare Emis­sionen könnten mit (noch unausgereiften) Technologien wie CCS (Carbon Capture and Storage) und CDR (Carbon Dioxide Remo­val) der Atmosphäre entnommen und im Untergrund verpresst werden (s. S.10).

„Es ist jetzt die Zeit der Entscheidungen“, sagt Elmar Kriegler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), ein Leitautor des Berichtskapitels zu Minderungspfaden und Langfristzielen. „Der Bericht“, betont Kriegler, „das sind nicht einfach nur Worte, sondern er fordert Taten.“ Zum Beispiel müsse man weltweit aus der Kohle ausstei­gen, fordert der PIK-Wissenschaftler. Denn allein die existierenden und geplanten Kohle­kraftwerke würden in ihrer Laufzeit das unter dem Ziel von 1,5 Grad noch mögliche Budget von CO2-Emissionen aufbrauchen.

Wir brauchen eine neue Politik

Auch Krieglers Chef, PIK-Direktor Ott­mar Edenhofer, hält die bisher ergriffenen Maßnahmen für zu schwach. „Wir brauchen also eine neue Politik“, sagt Edenhofer, „und angesichts der russischen Aggression eine, die Energiesicherheit und Klimasicherheit verbindet.“ Und das zeichnet allein die er­neuerbaren Energien aus – in vielen Weltre­gionen längst die billigste Energie, wenn neu geplant wird. Zudem sei das Potenzial riesig, mit CO2-Preisen die Emissionen zu drücken, heißt es im IPCC-Bericht.

Die Hauptaussagen des Weltklimareports lesen Sie übersetzt unter:   Sechster IPCC-Sachstandsbericht – AR6 – de-IPCC

Zum PIK:  Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (pik-potsdam.de)

Autor: Tim Bartels, aus  UmweltBriefe, Mai 2022.

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