Heimische Stadt- und Straßenbäume sind vom Klimawandel bedroht. Können klimaresilientere Arten eine Säule der Klimaanpassungsstrategie sein?
Stadt- und Straßenbäume leiden unter Hitze und Trockenheit. Können klimaresilientere Arten Abhilfe schaffen? Foto: victorgrow / AdobeStock
16. Juni 2021 | Aktuelles

Stadt- und Straßenbäume im Klimawandel: trockenstresstolerante Großgehölze

Alt wie ein Baum?! Dieser Redewendung kommt in Zeiten des Klimawandels eine völlig neue Bedeutung zu. In Folge extremer Wettereignisse wie Hitze und langer Trockenheit in den vergangenen Jahren haben beliebte Stadt- und Straßenbäume wie Ahorn, Esche und Co. heute nur eine Lebenserwartung von gerade mal 15 bis 20 Jahren. Um zu verhindern, dass sich Baumreihen in unseren Städten weiter lichten, braucht es neue Pflanzkonzepte mit klimaresilienten Arten. Informationen dazu und entsprechende Handlungsempfehlungen finden Kommunen, Stadtplanende, der Garten- und Landschaftsbau sowie weitere Interessierte auf dem Deutschen Klimavorsorgeportal „KLiVO“ der Bundesregierung.

Ein Baum versorgt zehn Menschen pro Tag mit Sauerstoff

Das heimische Stadtgrün kämpft mit den Auswirkungen des Klimawandels. Während Dürre und Überhitzung vertrocknen die Blätter der Stadt- und Straßenbäume. Sie können keine Fotosynthese mehr leisten. Die Folge: Betroffene Gehölze stellen Nahrungsaufnahme und Wasserversorgung durch die Wurzeln ein, was sie nachhaltig schwächt und anfällig für Pilz- und Schädlingsbefall macht. Eine gefährliche Entwicklung, sagt die Syker Stadtbiologin Angelika Hanel: „Bäume sind enorm wichtig, sie binden CO2 und filtern Staub sowie Schadstoffe, außerdem kühlen sie die Luft, indem sie Grundwasser über ihre Blätter verdunsten.“ Ein Straßenbaum versorge zehn Menschen pro Tag mit Sauerstoff.

Resiliente Arten zur Klimaanpassung

Syke war Modellregion im Projekt „Stadt-Klima Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt). Die niedersächsische Stadt südlich von Bremen hat 2010 damit begonnen, einen Klimaanpassungsplan zu entwickeln. Im Zuge dessen testeten Hanel und ihr Team sogenannte Klimabäume, also Großgehölze, die mit zunehmend wärmeren und trockeneren Sommern zurechtkommen. „Eine Art zu finden, die den Bedingungen vor Ort gerecht wird – also nicht zu hoch oder breit wächst, wenn wenig Platz vorhanden ist – gestaltet sich schwierig, auch weil man das Ergebnis der Anpflanzung ja erst nach vielen Jahren sieht“, sagt Hanel.

Klimavorsorgeportal für Stadt- und Straßenbäume

Hilfestellung bei der Suche nach Stadtbäumen der Zukunft soll ein Dienst auf dem Klimavorsorgeportal KliVO geben: „citree – Gehölze für urbane Räume“. Dabei handelt es sich um eine Datenbank, die Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung, Stadt-, Landschafts- und Grünplanung, aber auch Privatpersonen die Auswahl von standort- und klimaangepasstem Grün erleichtert. Die Datenbank
umfasst Informationen von mehr als 360 Baum- und Straucharten, darunter z.B. Kennzahlen zu ihrer Feinstaubabsorption, zu Frostempfindlichkeit, Astbruch- und Sonnenbrandgefahr oder Streusalztoleranz. Zudem werden bei Citree für eine Vielzahl von Standorten in Deutschland mehrere passende Gehölze vorgeschlagen.

Dienste wie diese seien ein Gewinn für die Kommunen, meint Susanne Böll von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim: „Städte und Gemeinden müssen sich jetzt mit dem Thema beschäftigen und bekommen dafür auf dem KliVO-Portal wertvolle Anregungen.“ Die Biologin ist Leiterin des Projekts Stadtgrün 2021 und prüft derzeit in den bayerischen Städten Kempten, Hof, Münchberg und Würzburg, welche Baumarten den hiesigen klimatischen Verhältnissen erfolgreich trotzen.

Bölls Ergebnisse und die anderer Forschungsgruppen sollen Eingang ins Klimavorsorgeportal finden. Zwar seien sie immer nur auf einzelne Regionen hierzulande übertragbar, sagt die LWG-Wissenschaftlerin. Doch je mehr Daten dazu gesammelt und öffentlich zugänglich gemacht würden, desto erfolgreicher und nachhaltiger könne die künftige Stadtbegrünung sein. Baumschulen seien bereits gut über klimaresiliente Gehölze informiert und kultivierten entsprechende Baumarten und Baumsorten.

Straßenbäume brauchen Platz

Mit ihrer Syker Kollegin Angelika Hanel ist sich Susanne Böll einig: „Wenn die Standortbedingungen in den Städten nicht verbessert werden, ist es egal, welchen Baum man setzt.“ Das heißt: Im Erdreich braucht es neben Platz für Kabel eben auch ausreichend Boden für die Wurzeln der Großgehölze. Zudem ist der Erhalt des klassischen Grünstreifens als Lebensraum für Insekten wichtig. Inspiration und Anleitung dafür sind ebenfalls auf dem KliVO-Portal eingestellt.

Zum KliVO-Portal  KLiVO Portal – Dienste – citree – Gehölze für urbane Räume

Fünf Baumarten im Klimawandel (seit 2015 im Test):

  • Zürgelbaum: In den großen Städten Südeuropas eine der wichtigsten Straßenbaumarten. Gilt als Alternative zu der mehr und mehr kränkelnden Platane.
  • Rebona-Ulme: Stammt aus Nordamerika, ist gegen die Ulmenkrankheit resistent und erträgt erstaunlich viel Trockenheit und andererseits auch Überflutungen.
  • Nordamerikanische Rotesche: Hat mit ihren geringen Ansprüchen nahezu Pioniergehölzcharakter; resistent gegen das Eschentriebssterben, echte Alternative zur heimischen Esche.
  • Hopfen-Buche: aus Südeuropa; rofitiert als Straßenbaum von ihrer Hitze- und Trockenverträglichkeit; nahe Verwandte der Hainbuche.
  • Silber-Linde: aus Südosteuropa; hohe Trockenstresstoleanz; wird wegen der silbrig-filzigen Blattunterseite von Blattläusen gemieden. Wichtigste Sorte: Brabant.

Autor: Tim Bartels, aus  UmweltBriefe, Juni 2021.

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