Klimaanpassung ist immer auch eine soziale Frage. Wie sehen Lebenswirklichkeiten aus, die die Politik berücksichtigen muss? Antworten darauf liefert die Persona-Analyse des Sozial-Klimarats und zeigt Risiken auf.
Anpassungsfähigkeit deutscher Haushalte
Dessen Direktorin Ines Verspohl stellte an den Berliner Energietagen ihre Ergebnisse vor. Grundlage ihrer Analyse ist ein Datensatz, der für alle Wohngebäude Infos zu u. a. Einkommen, Alter, Energieträger, Heiztechnik und Gebäudetyp enthält. „Wir haben daraus 16 Personas entwickelt, um
aufzuzeigen, wie Menschen klimaneutral werden und wie sie sich an Hitzewellen anpassen können“, so Verspohl. „Das Recht zu handeln, haben nur Eigentümer. Mieter dürfen nicht handeln, sie sind auf ihre
Vermieter angewiesen.“ Damit seien bereits 54 Prozent der Deutschen nur eingeschränkt anpassungsfähig. Sie sind nämlich darauf angewiesen, dass Vermieter in die Sanierung ihrer Gebäude oder Wohnungen investieren.
Doch auch Eigentümer können schlecht oder gar sehr schlecht anpassungsfähig sein, wenn der Investitionsbedarf ihrer älteren Häuser hoch und die Kosten dafür nicht zu stemmen sind. „Sie werden auch mit einem großen Förderprogramm nicht aus eigener Kraft klimaneutral werden können“, heißt es für „Magda Meyer“, das Charakterprofil für Über-60-Jährige mit geringen Einkommen in alten Eigenheimen. Oder „Manuela Thiese“, die im Fall einer Umlage der Sanierungskosten auf ihre Miete überfordert ist.
Handlungsfähigkeit hängt von Lebensrealitäten ab
„Fördermittel sind grundsätzlich für die gebildete obere Mittelschicht“, sagt Verspohl, „weil vorfinanziert und ein bürokratischer Antrag gestellt werden muss.“ Die migrantische Familie in der Großsiedlung dürfe kein Sonnensegel installieren, auch keinen Baum pflanzen, das scheitere schon weit vor den Fördermitteln. Aber es gebe auch Wohnungsunternehmen, die das gut und professionell machten.
Wie Kommunen soziale Herausforderungen besser berücksichtigen können
Diese „Personas“ repräsentieren typische Konstellationen, aus denen sich politische Handlungsbedarfe ableiten lassen. Sie ermöglichten es Kommunen, z.B. in der Wärmeplanung soziale Herausforderungen zu identifizieren und mitzudenken: Ein hoher Anteil „prekärer Eigentümer“ deute z.B. auf erhöhten Förderbedarf und längere Umsetzung hin. „Mieter außerhalb des Blickfeldes“ machen soziale Begleitmaßnahmen erforderlich.
Für die „Generation Reihenhaus“ und die „Eigentumswohnungsbesitzer“ wiederum bestünde
das Problem, gemeinschaftlich abstimmen zu müssen – hier böten sich Nahwärmenetze oder Quartiersansätze an. Für „Mieter bei privaten Vermietern“ sei zu klären, wie investitionsfähig die Eigentümer sind. „Wohlhabende Eigentümer älterer Häuser“ seien die Gruppe, die bald auf eine Wärmepumpe umsteigt. „Städter mit Fernwärme“ zeigten Fernwärme-Quartiere auf – ähnliche Strukturen eigneten sich demnach für den Netzausbau.
Autor: Tim Bartels, Update der Persona-Analyse: Deutsche Haushalte und ihre Anpassungsfähigkeit in der Klimatransformation – Sozial Klimarat
Überzeugen Sie sich von dem hohen Praxisnutzen und Mehrwert, den die UmweltBriefe bieten. Zwei kostenlose Probehefte sind für Sie reserviert: www.walhalla.de/probeabo-umweltbriefe