Der Hitze-Check der DUH offenbart: Es fehlen Bäume in deutschen Städten
Der Hitze-Check der DUH offenbart: Es fehlen u. a. Bäume in deutschen Städten, sodass sie immer heißer werden. Foto: diefeng/AdobeStock
14. Juli 2026 | Klimaschutz und Klimaanpassung

3. Hitze-Check der DUH: „Hochgradig alarmierend“

Im Vorfeld des bundesweiten Hitzeaktionstags am 11. Juni hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zum dritten Mal ihren Hitzecheck für Städte ab 50 000 Einwohner:innen vorgestellt. Erstmals hat der Umweltverband neben dem Hitzebetroffenheitsindex (HBI) auch den Grad der Bodenbedeckung mit Vegetation von mehr als 2,5 m Höhe untersuchen lassen – die Baumüberschirmung – sowie den prozentualen Zuwachs der Flächenüberbauung der vergangenen sieben Jahre – den Versiegelungstrend.

Ergebnis des Hitze-Checks: Hochgradig alarmierend

Die Ergebnisse seien in diesem Jahr „hochgradig alarmierend“, findet Barbara Metz von der DUH. Der Grund: Keine einzige der 195 gemessenen Städte weise eine „Netto-Null-Versiegelung“ auf. Das meint: Überall wurden zwischen den Jahren 2018 und 2025 offene Flächen mit Gebäuden, Straßen oder Parkplätzen weiter zugebaut, ohne an anderer Stelle zu entsiegeln.

Versiegelung der Städte hält an

„Entsprechend konnte beim Versiegelungstrend keine Stadt eine grüne Karte erreichen“, sagt Metz. Und mehr noch: Grün erzielten lediglich fünf Städte für ihren guten Beschirmungsgrad. Dieser Indikator gibt den Anteil der Bedeckung des Bodens durch Vegetation innerhalb der Siedlungs- und Verkehrsfläche an. Mehr als 30 Prozent weisen Solingen, Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam, Wuppertal, Kiel auf. Alle anderen Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern haben weniger als 30 Prozent oder gar weniger als 20 Prozent Vegetationsanteil, der Schatten spenden kann.

Mehr Stadtbäume

Zusätzlich ließ die DUH durch Fernerkundung der von Baumkronen bedeckten Fläche ermitteln, wie viele Bäume verloren gegangen sind. Ergebnis für die vergangenen sieben Jahre: „Mehr als 900 000“ seien verschwunden, sind also gefällt worden wegen Bautätigkeit oder nach Absterben in Dürrezeiten.

Diese Tatsache lasse sich nicht schnell wieder umkehren, denn Bäume brauchen Zeit, um zu wachsen, beklagt Barbara Metz. „Bäume sind unsere grünen Lungen, sie sind unsere Klimaanlage.“ Die DUH-Co-Chefin fordert von der Bundesregierung Vorgaben zur Entsiegelung, für mehr Stadtgrün und damit mehr Schatten – „bei jeder Sanierung, jedem Straßenumbau und jedem Bauprojekt“. Dazu zähle auch die Umsetzung der „3-30-300-Regel“. Die besagt: Bürger:innen sollten von ihrer Wohnung aus mindestens drei Bäume sehen, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben und höchstens 300 m von der nächsten Grünfläche entfernt.

Lage im Vergleich zu 2025 verschlechtert

Im Fall des Hitzebetroffenheitsindexes (HBI), der aus Versiegelung, Grünflächenvolumen, Oberflächentemperatur der Sommermonate und Bevölkerungsdichte berechnet wird, habe sich die Lage im Vergleich zu 2025 verschlechtert, so Metz: Die Zahl der grünen Karten sei von 28 auf 21 gesunken. Die Städte mit der stärksten Hitzebelastung sind laut Gesamtwertung Offenburg, Lahr und Mannheim. Nur zwei Städte bekommen nach Wertung von HBI, Beschirmungsgrad und Versiegelungstrend eine grüne Karte: Kiel und Wuppertal.

Initiative Baum-Entscheid - Dichtes Kronenwerk braucht die Stadt

„Städte ohne ausreichend Baumschatten werden ungesunde bis unerträgliche Städte.“ Das sagt Heinrich Strößenreuther vom Verein „BaumEntscheid“. Nach seiner erfolgreichen Initiative hat Berlin Ende 2025 ein Baum-Plus-Gesetz beschlossen. Es setzt die 3-30-300-Regel um, sorgt für eine Million Straßenbäume, 1000 Miniparks und 100 neue Grünflächen. „Bis zum 31. Dezember 2027 soll der Straßenbaumbestand im Umfang von 440 000 Straßenbäumen wiederhergestellt sein“, heißt es im KAnGBln unter §6 Abs.1 als Zwischenziel. „Jetzt wollen wir in weiteren deutschen Städten Baum-Entscheide starten“, sagt Strößenreuther. Erster Nachahmer des Berliner Baum-Entscheids war München. Stand Mitte Juni sind 10 067 der bis 31.8. benötigten 33 000 Unterschriften gesammelt. Das Ziel ist ein Bürgerentscheid im Herbst dieses Jahres. In Stuttgart hat am 7. Juli ein erstes Auftakttreffen stattgefunden bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), um zu klären, wie man die Stadt im Kessel kühler, grüner und lebenswerter machen kann. Die DUH ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, deutschlandweit fällungsbedrohte Bäume zu melden und nach dem Beispiel des Berliner Baumentscheids aktiv zu werden für mehr Grün in ihren Städten.

Autor: Tim Bartels,  UmweltBriefe im Juli/August 2026


Eine Übersicht des Städterankings zum Hitze-Check 2026 unter:  Hitze-Check_Staedte-Deutschland_Uebersicht_2026.pdf

Baum-Entscheid München:  BaumEntscheid München – Für eine grüne, lebenswerte Stadt

Baum-Entscheid Stuttgart:  Stuttgart | BaumEntscheid


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