Wir leben auf zu großem (Wasser-)Fuß. Foto: AdobeStock
27. Mai 2020 | Aktuelles

Auf zu großem (Wasser-)Fuß

Wasser ist nichts, worüber man sich in Deutschland den Kopf zerbricht. Wir drehen den Hahn einfach auf – schon fließt sauberes Wasser zum Kochen, Waschen oder für die Toilettenspülung. Allerdings müssen wir gar nicht weit schauen, um festzustellen, dass Wasser immer knapper wird. Spanien und Portugal haben 2017 unter starken Dürren gelitten. In Deutschland gab es 2018 und 2019 sogar zwei Trockenjahre in Folge. Wie stark diese Dürrephase in Europa vom Klimawandel beeinflusst war, ist noch nicht im Detail geklärt. Dass solche Dürren aber häufiger auftreten werden und länger andauern als in der Vergangenheit, gilt als sicher.

So groß ist unser Wasserfußabdruck

Vor allem die Landwirtschaft leidet darunter. Denn Nahrungsmittel und andere landwirtschaftliche Produkte haben mit 86 Prozent den höchsten Anteil am weltweiten Wasserfußabdruck. Diese Größe zeigt an, wieviel Wasser man verbraucht, um alle im Land konsumierten Produkte und Dienstleistungen bereitzustellen. Der Durchschnittsdeutsche verbraucht etwa 127 Liter Trinkwasser pro Tag aus (Wasch-)Küche, Bad und WC. Das ist allerdings nur ein Bruchteil dessen, was wir tatsächlich an Süßwasser verbrauchen. Rechnet man nämlich diejenige Menge hinzu, die für Erzeugung und Transport unserer genutzten Konsumartikel benötigt werden, kommt jeder Deutsche auf 4 230 Liter täglich. So groß ist unser Wasserfußabdruck! Darin enthalten sind nämlich auch die Wasserressourcen anderer Länder, aus denen wir Ware importieren: das sogenannte virtuelle Wasser. Deutschland ist demnach ein Wasserimportland.

Wasserimportland Deutschland

Unser Import von Tomaten aus Spanien oder von Baumwolle aus der Aralseeregion hat in den Anbauländern einen hohen Wasserbedarf zur Folge. Dies führt dort häufig zur Übernutzung der Wasserressourcen und demzufolge zum Schrumpfen von Seen und Absinken der Grundwasserspiegel. Achtzig Prozent dieses virtuellen Wasserflusses resultieren aus dem Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, der Rest aus Industriegütern. Wenig virtuelles Wasser entsteht, wenn zum Beispiel Kakaobäume zwar viel Wasser verschlingen, um zu wachsen, dafür aber mit reichlich Niederschlag im tropischen Herkunftsland gesegnet sind. Auch großflächige Arabica-Kaffeeplantagen in Bergregionen verbrauchen vor allem „grünes“ Regenwasser (s. Kasten).

Doch südspanische Erdbeeren, für deren Anbau das kostbare Nass aus Flüssen und dem Grundwasser von Schutzgebieten gezapft wird – nur weil im Winter Erdbeeren auf den Tisch müssen –, sind ökologischer Wahnsinn. Zwar ist in puncto Wassereffizienz und nachhaltigem Umgang mit lokalen Reserven auch der Ökolandbau nicht zwingend ein Musterknabe – Gemüse kann also trotz Biosiegel einen ähnlich hohen Wasserfußabdruck aufweisen wie konventionell erzeugtes. Doch in der Regel schont Biogemüse das Wasser wirksamer, da dessen Böden infolge der Gründüngung humusreicher sind und eine bessere Wasserhaltefähigkeit besitzen. Überdies wird das Wasser unterm Ökoacker nicht durch Mineraldünger und Pestizide verunreinigt.

Wasserschonend einkaufen:

  1. Fleisch. Eine deutliche Verringerung des Wassereinsatzes erreicht, wer weniger davon isst oder aus extensiver Weidehaltung kauft. Ein Kilo Rindfleisch verschlingt 15 000 Liter Wasser, wenn das Tier nicht nur Gras frisst, sondern mit Weizen, Mais und Soja gemästet wird. Weniger verschwenderisch als die Rinder- ist die Schweine- und Geflügelmast. Noch günstiger fällt die Bilanz aus, wenn nur betriebseigenes statt Import-Futter verwendet wird. Das schont den globalen Wasserhaushalt.
  2. Baumwolle. Nutzen Sie Textilien länger, verschenken Sie abgelegte Kleidung oder wählen Sie auch mal Secondhand- Klamotten. Kleidung aus Hanf und Leinen ist umweltschonender, da zu deren Produktion nur ein Viertel der Wassermenge benötigt wird, die Baumwolle beansprucht (im Schnitt 2 700 Liter für ein T-Shirt). In unseren Breiten reicht dafür das Niederschlagswasser. Kunstfaser spart Wasser, ist aber biologisch schwer abbaubar.
  3. Kaffee. Dessen Bohne hat einen hohen Wasserbedarf – bei 7 g ergeben sich 140 l für eine Tasse Kaffee. Um seinen persönlichen Kaffeewasser-Fußabdruck zu verkleinern, kann man Arabica-Kaffee aus Bergregionen mit viel Niederschlag statt Robusta aus dem bewässerungsintensiven Tiefland trinken; Kaffee mit Biosiegel kommt ohne Dünger und Pestizide aus. Das verringert den „grauen“ Wasseranteil deutlich.
  4. Obst. Beim Einkauf deutscher Äpfel müssen Sie sich nicht sorgen, zum Wassermangel beizutragen. Bevorzugen Sie bio: Im Ökoanbau sind die Böden humusreicher, sie speichern Wasser besser, das nicht durch Dünger oder Pestizide verunreinigt wird. Das schlägt im konventionellen Anbau Südeuropas immerhin mit 40 bis 50 Liter pro Kilogramm Orangen zu Buche.
  5. Schnittblumen. Der Verein „Flower- Label Program“ (FLP) hat ein Siegel für nachhaltigen Gartenbau entwickelt. Es garantiert dem Käufer, dass die Blumen umweltschonend und sozialverträglich produziert wurden. Das FLP-Zertifikat kann auch Zusätze wie „regional“ oder „bio“ haben, um auf kurze Transportwege und strengeren Bio-Anbau hinzuweisen.
 www.virtuelles-wasser.de

Virtuelles Wasser …

… beschreibt diejenige Menge, die während der gesamten Herstellungs- und Lieferkette eines Produktes verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird. Unterschieden werden blaues, grünes und graues virtuelles Wasser:

  • Blaues virtuelles Wasser ist bei landwirtschaftlichen Produkten das Wasser, das über den beregneten Feldern oder aus Kanälen und Speichern verdunstet. Bei industriellen Produkten ist es das Wasser, das nicht ins Gewässer zurückgeführt wird.
  • Der grüne virtuelle Wassergehalt eines landwirtschaftlichen Produktes ist die Menge an Regenwasser, die während seiner Erzeugung verdunstet.
  • Graues virtuelles Wasser ist die Menge an Frischwasser, die benötigt wird, um zum Beispiel nitratbelastetes Wasser so weit zu verdünnen, dass geltende Trinkwasser- Qualitätsstandards eingehalten werden..

Autor: Tim Bartels, aus  UmweltBriefe, März 2020

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