Immer wieder kollidieren Vogel mit unseren Glasscheiben. Allein in Deutschland sterben durch Vogelschlag jedes Jahr laut Hochrechnungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) hundert Millionen der gefiederten Tiere. Dabei ließen sich Opfer der Glasfassade mit einfachen Maßnahmen verhindern.
Bauhaus-Museum Dessau als Beispiel für fehlenden Vogelschutz
Schließlich hatte die Stiftung Bauhaus Dessau doch noch ein Einsehen und ließ das Bauhaus-Museum kurz vor Eröffnung im Jahr 2019 gegen Vogelschlag nachrüsten. In den Monaten zuvor waren an der stark spiegelnden Glasfassade des Neubaus zahlreiche Vögel verunglückt. Weil solche Scheiben Bäume und Himmel reflektieren, nehmen Vögel sie nicht als Hindernis wahr und krachen gegen das Glas – die meisten sterben. Der Berliner Landesverband des BUND hatte bereits während des Baus des Museums den mangelnden Vogelschutz kritisiert. Nach der rund eine halbe Million Euro teuren Nachrüstung der gesamten Glasfassade mit schwarzen Streifen hoffen die Umweltschützer auf eine Vorbildwirkung in der Architekturszene. „Nur durch ein Umdenken in Architektur und Gestaltung“, sagt Claudia Wegworth, „kann der massenhafte Vogeltod durch Glaskollision beendet werden.“
Bundesnaturschutzgesetz: Vogelschlag kann rechtswidrig sein
Es gibt dazu keine verbindlichen Regelungen in der aktuellen Baugesetzgebung, schreibt die BUND-Expertin für vogelfreundliches Bauen, Glasarchitektur und Artenschutz an Gebäuden in ihrer Publikation „Vogelschutz und Glasarchitektur im Stadtraum Berlin“, die der Umweltverband 2019 veröffentlichte. Gleichwohl stellt das signifikant erhöhte Tötungsrisiko für geschützte Arten als vermeidbare Konsequenz eines Bauprojekts einen Verstoß gegen § 44 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesnaturschutzgesetze (BNatSchG) dar.
Warum Vögel Glasscheiben nicht erkennen
In der freien Natur gebe es für Vögel keine harten und zugleich durchsichtigen Strukturen, klart der Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf. Vögel seien mit Blick auf die Entwicklungsgeschichte auf derartige Hindernisse in ihrem Flugraum nicht eingestellt. Hinzu komme, dass sie wegen ihrer seitlich sitzenden Augen mit einem guten Rundumblick ausgestattet sind, während das zielgerichtete Sehen nach vorne bei den meisten Vogelarten stark eingeschränkt ist.
Vogelschutz bei Neubauten: Behörden können Nachrüstung verlangen
Dass immer noch Bauwerke ohne ausreichenden Schutz gegen den Vogelschlag an Glasflächen errichtet werden, bedeutet zunächst mal ein Vollzugsdefizit. Zugleich sei bei positiver Bauabnahme oder Genehmigung für den Bauherren keine Rechtssicherheit gegeben, berichtet Claudia Wegworth, da Naturschutzbehörden auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes auch im Nachhinein Nachrüstungsmaßnahmen an bereits fertig gestellten Bauwerken einfordern können, wenn dort die Gefahr von signifikant erhöhtem Vogelanprall bestünde.
So geschehen 2015, als der Berliner Sitz des Bundesforschungsministeriums teilweise mit einem Vogelschutzmuster ausgestattet wurde. Nachträglich, denn an dem ein Jahr zuvor fertig gestellten Neubau – der zur Eröffnung mit dem Gold-Prädikat für Nachhaltiges Bauen ausgezeichnet wurde (!) – war es regelmäßig zu Vogelkollisionen an zwei gläsernen Verbindungsgängen gekommen.
Häufig aufgefundene Arten sind u.a. Rotkehlchen, Meisen, Eisvogel, Drosseln, Sperber, Turmfalke und auch die gefährdete Waldschnepfe.
Durch Vogelkollisionen an Glas sterben nicht nur häufige, sondern mitunter auch seltene Vogelarten, die auf ihren Zugwegen Siedlungsbereiche kreuzen und dort mit Glas in Berührung kommen.
Auch ortserfahrene Vögel, die sich an die menschliche Umgebung angepasst haben, werden Opfer tödlicher Glaskollisionen.
Betroffen sind auch Jungvögel, denen die urbane Umgebung noch völlig neu ist.
Autor: Tim Bartels, UmweltBriefe, Mai 2026.
Die Vogelschutz-Broschüre des BUND als PDF: Vogelschutz_Brosch_BUND.pdf
Broschüre „Vogelfreundliches Bauen mit Glas & Licht“: Broschüre „Vogelfreundliches Bauen mit Glas & Licht“ online bestellen | NABU-Shop
Eine Übersicht geprüfter Vogelschutzmuster gibt es hier: wua-vogelanprall-muster-2022.pdf
NABU-Tipps gegen Vogelschlag an Glas: So machen Sie Glasscheiben vogelsicher
Überzeugen Sie sich von dem hohen Praxisnutzen und Mehrwert, den die UmweltBriefe bieten. Zwei kostenlose Probehefte sind für Sie reserviert: www.walhalla.de/probeabo-umweltbriefe
Tipps zum Vogelschutz an Fensterscheiben
-
1.
Von außen an die Scheibe angebracht: Die einfachste und kostengünstigste Lösung sind von außen montierte Fliegengitter, Schnüre aus Kordeln, Fensterfarben (z.B. orange) sowie milchige Klebestreifen.
-
2.
Fenster von innen sichtbar machen: durch (helle) Gardinen, ausgefahrene Jalousien, Rollos, Lamellen und Ähnlichem
-
3.
Glasflächen markieren. Markierungsklebepunkte aus Folie in Schwarz, Weiß, Orange oder Rot mit einem Durchmesser von 1,2 bis 2 cm im Abstand von maximal 9 cm auf die Außenseite der Scheibe kleben.
-
4.
Handflächen-Regel: Die besagt, dass zwischen den Markierungselementen nicht größer als eine Handbreit Platz sein sollte, damit ein Vogel durch die vermeintliche Lücke nicht hindurchzufliegen versucht. Markierungen möglichst über die gesamte Fläche der Glasscheibe anbringen.
-
5.
Linienmuster: Dünne schwarze Linien werden aus einigen Metern Entfernung von Menschen kaum mehr wahrgenommen, können aber vielen Vögeln das Leben retten: senkrechte Linien mindestens 5 mm breit bei maximal 5 cm Kantenabstand.
-
6.
Für Schulen und Kitas: Turnhallen, Foyers und gläserne Laubengänge stellen häufig Vogelfallen dar. Das Thema Vogelschutz könnte in den Kunst- oder Biologieunterricht einfließen. Die Schüler:innen könnten kreativen Schutz gestalten, z.B. mit Fensterfarbe oder bunter Klebefolie, und die mit dem Hausmeister an die Fensterscheiben der Gebäude anbringen.
-
7.
In der Bauplanung: Hier sollten Architekt:innen bereits prüfen, ob volltransparentes Glas durch anderes Material ersetzt werden kann oder ob sich große Scheiben durch Sprossen unterteilen lassen. Verglasungen über Eck oder Durchsichtsituationen entweder gänzlich vermeiden oder durch wirkungsvolle Mustermarkierungen oder Vogelschutzglas entschärfen.
-
8.
Die klassische Greifvogelsilhouette wirkt nicht: Solange sie nicht nach der Handflächen-Regel mehrfach in engem Abstand auf die Glasscheibe angebracht wird.