Die Finanzlage der Kommunen in Deutschland ist 2024 flächendeckend eingebrochen. Die Steuereinnahmen stagnieren infolge schwacher Konjunktur. Die wichtigsten Ausgaben für Personal, Sachaufwand oder Soziales wachsen ungebremst. Das zeigen die Ergebnisse des „Kommunalen Finanzreports 2025“ der Bertelsmann Stiftung.
Personalkosten, Sachaufwand und Sozialausgaben steigen
Demnach liegt die Ursache für die schlechte Kassenlage in erster Linie in der Entwicklung der Ausgaben, die allein 2024 um zehn Prozent zulegten. Die Personalausgaben hätten sich binnen zehn Jahren verdoppelt, was eine Folge des Stellenwachstums und hoher Tarifabschlüsse sei, heißt es im Report. Auch der laufende Sachaufwand habe sich durch die Inflation um ein Viertel in zwei Jahren
erhöht. Davon betroffen sind zum Beispiel die Ausgaben für Dienstleistende, Büroausstattung oder die Bewirtschaftung der Gebäude. Und nicht zuletzt die Sozialausgaben verzeichneten binnen zwei Jahren einen Sprung um ein Viertel auf nunmehr 85 Mrd. Euro. „Die Kommunen tragen ein großes Spektrum sozialer Aufgaben, die überwiegend bundesgesetzlich geregelt, aber oft nicht ausreichend vom Bund gegenfinanziert sind“, berichtet die Bertelsmann Stiftung.
Die Städte, Landkreise und Gemeinden sind verantwortlich für wichtige Infrastrukturen, die sowohl die Lebensqualität für Bürger:innen als auch die Standortqualität für Unternehmen definieren. Der Aus- und Umbau kommunaler Infrastrukturen ist auch für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels essenziell.
Investitionen in die Klimaanpassung der kommunalen Infrastruktur notwendig
Zwar verzeichneten die kommunalen Investitionen 2024 einen Rekord von 52 Mrd. Euro, allerdings wächst der Investitionsrückstand dennoch weiter und die Ausgaben werden durch besonders hohe Inflationsraten der Baubranche überlagert. Im regionalen Vergleich tritt die seit Langem bekannte Verteilung auf: Die höchsten Investitionen tätigen mit Abstand die Kommunen in Bayern. Am anderen Ende kristallisieren sich mit dem Saarland, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen über die Zeit Regionen heraus, die infrastrukturell immer weiter zurückfallen.
„Nicht nur hohe Defizite und ein Investitionsstau von 216 Mrd. Euro belasten die kommunalen Haushalte. Zusätzlich sind umfangreiche Investitionen in die Klimaanpassung der kommunalen Infrastruktur notwendig“, betont Christian Raffer vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu). „Angesichts der aktuellen Finanzlage werden die Kommunen die dafür notwendigen Mittel nicht allein aufbringen können. Auch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität wird diese Bedarfe nur teilweise decken.“ Weitere Ansätze zur Finanzierung seien notwendig.
Einnahmen im Vergleich zu Ausgaben zu gering
Dass die Einnahmenbasis vieler Kommunen im Verhältnis zu ihren Verpflichtungen auf der Ausgabenseite zu gering ist und die Unterschiede zwischen finanzstarken und finanzschwachen Kommunen weiterwachsen, zeigt auch eine neue Studie, die das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) erstellt hat. Ohne grundlegende Reformen drohe eine zunehmende Verschärfung – mit negativen Folgen für gleichwertige Lebensverhältnisse und den sozialen Zusammenhalt, warnt das Difu. Zudem bremse die Unterfinanzierung zentrale Zukunftsaufgaben, sagt dessen Studienautor und Teamleiter Henrik Scheller: „Fehlen den Kommunen Mittel für Investitionen, geraten auch die sozialökologische Transformation und das Erreichen des Ziels der Klimaneutralität bis 2045 ins Stocken.“ Dies umfasse etwa Investitionen in klimaneutrale Sportstätten oder Verwaltungsgebäude.
Grundlegende Neuordnung kommunaler Finanzen
Das Gutachten empfiehlt eine grundlegende Neuordnung der kommunalen Finanzen. Kurzfristig sollten der Bund und die Länder insbesondere weitere Sozialausgaben übernehmen, um finanzschwache Kommunen gezielt zu entlasten, eine bundesweite Lösung für kommunale Altschulden schaffen sowie das Förderwesen vereinfachen und digitalisieren, um Verwaltungsaufwand zu reduzieren und Investitionen zu beschleunigen.
Auch das neue Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ sollte die Bedarfe der Kommunen berücksichtigen und darüber hinaus kleinen und finanzschwachen Kommunen keine unverhältnismäßige bürokratische Last aufbürden.
Langfristig plädieren die Autoren für strukturelle Reformen des Gemeindefinanzsystems. Diese beinhalten beispielsweise eine Weiterentwicklung der Gewerbesteuer zu einer „Wertschöpfungssteuer“, eine gerechtere Verteilung der Gemeinschaftssteuern zugunsten der Kommunen und eine Harmonisierung der kommunalen Finanzausgleichssysteme zwischen den Bundesländern.
Autor: Tim Bartels, UmweltBriefe November 2025.
Studie des Difu zu kommunalen Finanzen: Kommunen unter Druck: Gutachten spricht für Neuordnung der Gemeindefinanzen | Deutsches Institut für Urbanistik
Kommunaler Finanzreport 2025: Kommunaler Finanzreport 2025 | Deutsches Institut für Urbanistik
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