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8. Juli 2019 | Aktuelles

Wenn Wetterextreme zur Normalität werden

Klimawandel und Gesundheit

Lang anhaltende heiße Perioden, sogenannte Hitzewellen, treten seit etwa 30 Jahren in  ungewöhnlicher Häufigkeit in Europa und in Deutschland auf. Die dadurch ausgelösten gesundheitlichen Belastungen können erheblich, mitunter lebensbedrohend sein. Der Sommer 2018 war der extremste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 und folgt bislang dem heißesten Jahr 2003, das in Europa Zehntausende Menschenleben forderte. Hitzebedingte Mortalität betrifft vor allem ältere Menschen. Ein Ratgeber des Umweltbundesamts (UBA) gibt nun Hinweise für ein angepasstes und individuelles Gesundheitsverhalten bei sommerlicher Hitze.

Im August 2003 forderte eine außergewöhnlich lang anhaltende Hitzeperiode in Teilen Europas 70 000 Menschenleben, in Deutschland waren es etwa 7 000 Hitzetote. Die Ursachen der Todesfälle waren Herzinfarkt, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Nieren und der Atemwege sowie Stoffwechselstörungen infolge der außergewöhnlichen Hitzebelastung.

Am stärksten betroffen waren Menschen über 70 Jahre, besonders Frauen. Ebenso waren einkommensschwache Bevölkerungsgruppen stark betroffen. Menschen mit chronischen Krankheiten waren stärker gefährdet als andere. Die Temperaturen waren in Städten deutlich höher.

Gefühlte Temperatur

Das Empfinden belastender Wärme ist ein komplexer Vorgang. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bewertet mit Hilfe von Modellrechnungen die „Gefühlte Temperatur“, womit das Wärmeempfinden eines durchschnittlichen Erwachsenen im Freien bezeichnet wird. Die „Gefühlte Temperatur“ ist unter warmen, sonnigen und windschwachen sommerlichen Bedingungen höher als die Lufttemperatur. Sie kann im Extremfall in Mitteleuropa bis 15 Grad Celsius (°C) über der gemessenen Lufttemperatur liegen. Der DWD differenziert zwischen zwei Stufen der thermophysiologischen Wärmebelastung: Starke Wärmebelastung wird bei einer über mehrere Tage andauernden Wetterlage empfunden, die mit intensiver Sonneneinstrahlung, hohen Lufttemperaturen (um 29 °C im Schatten), erhöhter relativer Luftfeuchte und geringer Windbewegung verbunden ist. Die Gefühlte Temperatur liegt bei über 32 °C.

Extreme Wärmebelastung wird bei einer über mehrere Tage andauernden stabilen Wetterlage empfunden, für die eine intensive Sonneneinstrahlung, hohe Lufttemperaturen (um 35 °C im Schatten), erhöhte relative Luftfeuchte, geringe Windbewegung sowie eine geringe nächtliche Abkühlung charakteristisch sind. Die Gefühlte Temperatur liegt hier bei über 38°C.

Gesundheitsrisiken

Die thermophysiologische Wärmebelastung kann an heißen Tagen oder an Tagen mit extremer Hitze die Gesundheit gefährden. Flüssigkeitsmangel, eine Verschlimmerung verschiedener Krankheiten, Hitzekrämpfe sowie Sonnenstich und Hitzschlag können die Folge sein. Ernstzunehmende Warnzeichen des Körpers sind: Kreislaufbeschwerden, Muskelkrämpfe in Armen und Beinen, Bauchkrämpfe, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, erhöhter Puls, ein Gefühl der Erschöpfung oder von Unruhe, Verwirrtheit und ein trockener Mund. Hohe Lufttemperaturen und intensive Sonneneinstrahlung können auch zum Sommersmog führen. Dies ist eine zu hohe Belastung vor allem von Hitze und bodennahem Ozon. Folgen sind Schleimhautreizungen, Einschränkungen der Lungenfunktion, Entzündungsreaktionen der Atemwege und Beeinträchtigungen der körperlichen Leistungsfähigkeit. Studien der Hitzewelle von 2003 in Westeuropa zeigen, dass in Phasen extremer Hitze erhöhte Ozon- und Feinstaubkonzentrationen entstehen.

So verhalten Sie sich bei Hitze richtig:

  1. Passen Sie sich dem Tagesablauf an. Meiden Sie nach Möglichkeit die Mittagshitze im Freien und beschränken Sie Ihre Aktivität im Freien auf die Morgen- und Abendstunden. Vermeiden Sie während der Mittagshitze starke körperliche Anstrengungen, auch Sport. Bleiben Sie draußen nach Möglichkeit im Schatten.
  2. Nehmen Sie viel Flüssigkeit zu sich. Sie müssen Ihrem Körper ausreichend Flüssigkeit zuführen und gleichzeitig den Elektrolytverlust ausgleichen. Hierzu eignen sich: natriumhaltiges Mineralwasser, Säfte, Suppen, Brühen; wasserreiche Früchte, wie Melonen, Gurken, Tomaten, Erdbeeren, Pfirsiche. Nehmen Sie zusätzlich täglich mindestens anderthalb bis zwei Liter Flüssigkeit zu sich. Besonders geeignet sind mineralstoffhaltige Getränke wie Wasser oder Tee. Alkohol vermeiden. Falls Sie körperlich arbeiten müssen, trinken Sie pro Stunde zwei bis vier Gläser eines kühlen, alkoholfreien Getränks.
  3. Sonnenschutz. Achten Sie auf einen angemessenen Schutz gegen ultraviolette Strahlung. Haut, welche nicht mit Kleidung bedeckt ist, muss gut mit Sonnenschutzmittel eingerieben werden. Beim Aufenthalt in der Sonne benutzen Sie ein Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor mindestens 20 (für Kleinkinder mindestens 30) oder höher mit „UVA-/UVB-Schutz“ oder der Bezeichnung „Breitspektrum“. Der beste Sonnenschutz sind eine luftige, helle Baumwollkleidung, ein breitkrempiger Sonnenhut und eine Sonnenbrille.
  4. Achtsamkeit. Achten Sie vor allem auf ältere Personen und Kinder, die durch die Hitze besonders belastet sind. Sie brauchen gezielte Aufmerksamkeit. Je kleiner ein Kind ist, desto empfindlicher reagiert es. Deshalb sollten Säuglinge nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden. Kinder sollten sich zwischen 11 und 15 Uhr möglichst im Haus oder zumindest im Schatten aufhalten, da dann die Sonnenstrahlung am stärksten ist. Mindestens 20 Minuten vor dem Aufenthalt im Freien sollten Sie dem Kind eine wasserfeste Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor (mindestens 30) auftragen.

Hier können Sie den Hitzeknigge des Umweltbundesamtes herunterladen:  www.umweltbundesamt.de

Text aus  UmweltBriefe Juli 2019; Autor: Tim Bartels