Man muss nicht komplett verzichten, auch weniger Fleisch hilft schon der Umwelt. Foto: AdobeStock
19. Februar 2020 | Aktuelles

Weniger Fleisch: Man muss kein Veganer sein, um das Klima zu retten

Wie viel Kohlendioxid (CO2) verursacht der eigene Fleischkonsum? Bringt es wirklich etwas, wenn ich weniger Fleisch esse? So fragt das Rechenportal Blitzrechner.de und offeriert ein kostenloses Tool, das die Auswirkungen des Fleischkonsums berechnet.

Der Einsatz von Antibiotika

Eines der größten Probleme intensiver Tierzucht ist der Einsatz von Antibiotika. Da Tiere in Massenhaltung schnell krank werden, müssen sie besonders häufig behandelt werden. Und aufgrund der Ansteckungsgefahr wird zudem gleich die ganze Herde vorbeugend behandelt. Dabei kommen auch Antibiotika zum Einsatz, die eigentlich für den Menschen entwickelt wurden. Teils werden sogar sogenannte Reserveantibiotika eingesetzt – also Antibiotika, die eigentlich für humanmedizinische Notfälle reserviert sein sollten. Bei Ökoerzeugern wie Demeter hingegen ist die Gabe von Antibiotika stark reglementiert, und es dürfen auch keine Reserveantibiotika aus der Humanmedizin verabreicht werden.

Der Fleischrechner

„Der Fleischrechner“, so erläutert das Portal Blitzrechner.de, „berechnet den Ressourcenbedarf, der für die Tierzucht des eigenen Fleischbedarfs notwendig ist.“ Insbesondere werde dabei auf Futtermittel, Antibiotika und CO2-Ausstoß eingegangen. Der eigene Konsum wird auf 10 Jahre hochgerechnet. Ist man sich der Konsequenzen seines Fleischkonsums bewusst und möchte seine Ernährung umstellen, stellt sich gleich die Frage: Wie? Der Fleischrechner geht davon aus, dass Sie Fleisch durch eine pflanzliche Proteinquelle wie Tofu ersetzen möchten.

Hier können Sie die Auswirkungen Ihres Fleischkonsums auf das Klima und die Umwelt berechnen:  www.blitzrechner.de/fleisch

Ist Soja die Alternative?

Tofu wird aus Soja hergestellt – also genau der pflanzlichen Basis, die gern auch an Nutztiere verfüttert wird. Deshalb stellen Sie sich vielleicht die Frage, ob Soja nicht einen ebenso hohen Produktions- und Ressourcenaufwand benötigt wie Fleisch. Die Antwort: Jein. Um Anbauflächen für Soja zu schaffen, das anschließend vom Menschen konsumiert wird, werden tatsächlich teilweise Regenwälder gerodet. Allerdings wird weit weniger Soja benötigt, um die gleiche Menge an Kalorien für menschliche Soja-Nahrung zur Verfügung zu stellen, als über den „Umweg“ Fleisch. Zusätzlich sollten Sie bei Soja-Produkten darauf achten, dass diese aus nachhaltigem Anbau oder aus Europa stammen. Im Gegensatz zur Fleischherstellung werden bei der Herstellung von Sojaprodukten wie Tofu keine Antibiotika eingesetzt. Auch der CO2-Ausstoß ist deutlich geringer. Deshalb ist dem Klima auch dann geholfen, wenn man das Fleisch auf seinem Teller durch Tofu oder vergleichbare pflanzliche Proteinquellen ersetzt. Die gute Nachricht: Schon ein kleiner Verzicht kann große Wirkung haben.

Warum der Klimaschaden durch die Fleischproduktion so groß ausfällt

Wegen der Fütterung: Ein Schwein muss 2,5 kg Soja, Mais oder Weizen fressen, um 1 kg Fleisch zu liefern. In der EU landen mehr als 40 Prozent der Getreideernte in den Futtertrögen der Nutztiere. Werden Soja oder Getreide hingegen direkt verzehrt, ist das deutlich ressourcenschonender als der Umweg über Fleisch.

Wegen der Weideflächen: Für den Anbau des Futters, aber auch die Weidehaltung von Rindern werden insbesondere in Südamerika große Landflächen gerodet. Dadurch entweichen große Mengen des gebundenen CO2 in die Atmosphäre.

Wegen der Methan-Gase: Rinder furzen und rülpsen Methan (CH4) in die Atmosphäre – und das gilt als etwa 25-mal so klimaschädlich wie CO2.

Tipps für Fleischesser

  1. Bewusster konsumieren. Wer sein Fleisch beim Bio-Metzger oder Bio-Bauern des Vertrauens kauft, muss bei den Preisen kräftig schlucken. Das ist gar nicht so schlecht, denn dadurch erhöht sich das Bewusstsein für die Herkunft und Wertigkeit von Fleisch als Nahrungsmittel – es wird mehr wertgeschätzt als blind konsumiert.
  2. Mehr Hühnchen, eniger Schwein und vor allem weniger Rind. Damit sieht die persönliche Ökobilanz nämlich schon deutlich besser aus. Denn Hühner verwerten Futter deutlich effizienter, ihre Aufzucht verbraucht deshalb weniger Ressourcen. Außerdem produzieren Rinder viel CO2.
  3. Regionales Fleisch von grasgefütterten Kühen statt Angus-Steak aus Südamerika. Geschmack hin oder her, wenn Rindfleisch, dann vielleicht nicht gerade aus Südamerika. Denn dafür werden Regenwälder abgeholzt, das Fleisch muss wahnsinnig lange Wege zurücklegen und Kühlung sowie Transport verschlingen große Mengen an Energie. Besser regional kaufen, grasgefüttert ist noch klimafreundlicher.
  4. Maß halten. Wer morgens auf die Käsestulle umsteigt und mittags Vegetarisches wählt, hat schon viel Fleisch gespart. Das schafft auch ein fleischfreier Tag pro Woche: Pizza Rucola, Linsencurry, Pasta mit geschmorten Datteltomaten, Kartoffelsuppe – klingt doch gar nicht so schlimm. Riesenschnitzel zum Kartoffelsalat? Vielleicht reicht auch ein kleines und dafür mehr Kartoffelsalat. Konfektionierte Ware hat den Nachteil, dass Sie oft mehr kaufen, als Sie brauchen; individueller werden die Portionen an der Frischetheke. Kräftig gewürzte Mahlzeiten wie Thai-Curry, Chili sin Carne, Spaghetti mit Soja-Bolognese statt Fleisch sind oft überraschend befriedigend – ganz ohne Fleisch.
  5. Einfach mal den Druck rausnehmen. Wer sich vornimmt, gar kein Fleisch mehr zu essen, obwohl er ein Fleischliebhaber ist, wird über kurz oder lang frustriert einknicken. Also weshalb nicht einfach das Ganze entspannt angehen? Einmal in der Woche kein Fleisch essen, irgendwann vielleicht zwei Mal. Oder nur noch Hühnchen statt Rind. Jede Reduzierung hilft dem Klima schon – und ist langfristig sinnvoller, als kurzfristig zu verzichten, um danach womöglich noch mehr zu konsumieren.

Autor: Tim Bartels, aus  UmweltBriefe, Februar 2020

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