Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge, wie hier der Perlmuttfalter, tragen viel zur Artenvielfalt bei. Foto: Tim Bartels
9. Juli 2020 | Aktuelles

So wird Ihr Garten bunt und wild

Private Haus- oder Schrebergärten können artenreiche Wiesen und Weiden im Land zwar nicht ersetzen. Dennoch sind auch unsere Gärten ein wichtiger Wildlebensraum, der ein Netzwerk grüner Inseln für heimische Pflanzen, Insekten und andere Tiere bildet – und damit die Folgen der intensiven Landwirtschaft ein wenig abpuffern hilft.

Insektenfreundlicher Garten – jeder Quadratmeter zählt

Deutschland zählt fünfzehn Millionen Gartenbesitzer, die – vom Schottergarten zu schweigen – ihren Boden bepflanzen und von denen sich ein zunehmender Anteil gegen den Verlust der Artenvielfalt stemmt. Hinzu kommen Millionen Balkonnutzer, die ebenso ihr Scherflein gegen das Insektensterben beitragen.

Welchen Beitrag zur Biodiversität die Haushalte mit ihren Gärten leisten können, zeigt der Vergleich mit den hiesigen Naturschutzgebieten (NSG) an Land: Deren 1,38 Mio. ha an geschützter Fläche stehen nämlich immerhin 930 000 ha Privatgärten gegenüber. Doch wie muss diese unbebaute Parzelle hinterm Haus aussehen, damit sie Insekten anzieht? Die „bunte Wiese“ ist kein normaler Zustand mehr. Im Verwaltungsjargon heißt es „Grünfläche“ oder auch „Straßenbegleitgrün“. Klingt eher artenarm und nach kurz gehaltenem Grün, auch Rasen genannt, ein strapazierfähiger Belag, möglichst frei von Klee, Löwenzahn und Gänseblümchen. Um ihn dicht zu halten, heißt es: „mähen, mähen und schon wieder mähen“.

Achten Sie auf heimisches Saatgut

Auch Blumenwiesen muss man mähen, damit Gräser und Sträucher nicht zu dicht wachsen und artenarm verbuschen – doch bloß ein- bis zweimal pro Sommer. Abschnittsweises Mähen ist dabei wichtig, um einen kompletten Nahrungsausfall zu verhindern und ein durchgehendes Blühen zu ermöglichen. Zur Anlage einer bunten Wiese gebe es viele Möglichkeiten, schreibt Gartenbesitzerin und Autorin Eva Rosenkranz: „Man kann in eine bestehende Wiese vorgezogene Pflanzen spezieller Anbieter einsetzen, man kann Fenster aus Wildblumenmatten legen oder eine komplett neue Einsaat.“ Dabei sei immer auf heimisches Saatgut zu achten, das die regionalen Bodenverhältnisse berücksichtigt. Also zum Beispiel Hornklee, Glockenblume, Wiesensalbei, Zaunwicke, Wiesenschaumkraut oder Wilde Möhre. Dagegen seien viele Blühmischungen aus den Baumärkten nur wenig geeignet, warnt Eva Rosenkranz. Um herauszufinden, welche Pflanzen für die eigene Region typisch und angepasst sind, empfiehlt sie, sich bei speziellen, zugelassenen Anbietern zu informieren:  www.natur-im-vww.de/bezugsquellen/graeser-und-kraeuter/

So wird Ihr Garten bunt und wild

  1. Blühende Gärten ganzjährig. Egal wie groß ein Garten ist: Auch die kleinste Scholle lässt sich insektenfreundlich gestalten. Dabei gilt es, fürs ganze Jahr Nahrungsquellen zu schaffen, also ausreichend standortangepasste Wirtspflanzen über alle Vegetationsmonate hinweg verteilt.
  2. Naturnahe Gärten haben in der Regel vier wesentliche Elemente: ein blütenreiches Wiesenstück, verschiedene Staudenbeete, heimische Sträucher (möglichst als gemischte Hecke) und – falls ausreichend Platz vorhanden – Laubbäume.
  3. Verzichten Sie auf kurzlebige Hybridpflanzen und gefüllte Blüten. Viele Blumen sehen zwar wunderschön aus, bieten aber keinen Mehrwert für Bienen und andere Sechsbeiner. Dies gilt vor allem für Blumen mit gefüllten Blüten, die den Weg zu Pollen und Nektar versperren.
  4. Verzichten Sie auf Dünger, Insektizide und Herbizide. Klar, wer mehr Insekten und bunt blühende Kräuter haben will, setzt keine chemischen „Pflanzenschutzmittel“ ein. Aber auch mineralische Dünger sind im naturnahen Garten tabu. Allenfalls organische Dünger wie Komposterde, Dung oder Hornspäne verwenden.
  5. Reisighaufen und Laub anlegen. Sammeln Sie das Laub in einer Ecke oder verteilen Sie es unter den Büschen. Haufen aus Laub und Gehölz im Herbst anzulegen sorgt dafür, dass Kriechtiere und Insekten im Winter Unterschlupf finden.
  6. Insektenhotels. Baumärkte offerieren zwar jede Menge gewagter Konstruktionen. Doch die meisten sind gut gemeint, aber schlecht gemacht. Denn Bienen und andere Insekten brauchen mehr als ein paar Hohlziegel und Holzstücke mit Bohrungen. Ohnehin nehmen nur 30 Wildbienenarten Nisthilfen an– und das sind vor allem die ungefährdeten. Alle anderen nisten nämlich im Boden. Wie man wirkungsvolle Bienenhäuser baut, lesen Sie hier:  https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/insekten-helfen/00959.html

Die wichtigsten Bestäuber

Die Westliche Honigbiene Apis mellifera ist keine Wildbiene, sondern ein Nutztier des Menschen. Sie fliegt von Blüte zu Blüte, ohne den Baum zu wechseln. Wildbienen dagegen fliegen mehrere Pflanzenstandorte an – und das auch bei schlechtem Wetter. Sie ergänzen die Bestäubungsleistung der Honigbiene.

Auch Hummeln zählen zu den Wildbienen. Bei uns sind etwa 40 Arten heimisch. Durch ihren Pelz geschützt fliegen sie Blüten auch bei sehr kalten Temperaturen an.

Von den etwa 560 Wildbienenarten in Deutschland (Schweiz: 580, Österreich: 690, weltweit 17 000 Arten) stehen mehr als die Hälfte auf der Roten Liste. 41 Prozent sind in ihrem Bestand gefährdet; 39 Arten sind hierzulande ausgestorben oder verschollen

Wildbienen sind sog. Schlüsselarten, die großen Einfluss auf die Artenvielfalt ausüben und deren Verlust dramatische Folgen fürs Ökosystem haben kann.

Die Bestäubungsleistung der Bienen hierzulande wird auf 2,5 Mrd. Euro taxiert, weltweit auf 153 Mrd. Unschätzbar ist deren Dienst für den Erhalt der Wildpflanzenvielfalt.

Autor: Tim Bartels, aus  UmweltBriefe, Juli/August 2020

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