Die Welt ist in der Krise – so oder so. Foto: AdobeStock
28. April 2020 | Bartels Blog

Nach der Krise ist in der Krise

Zuvorderst geht´s um den Schutz der Bevölkerung. „Das hat für uns oberste Priorität.“ So beginnen in der akuten Coronakrise nicht nur die Mitteilungen des Bundesumweltministeriums. Das ist Konsens. Überall. Doch was ist mit der Klimakrise? In der wir uns doch auch schon vor Corona befanden. Diese Krise hat kein Vorher und Nachher, weil sie uns noch auf Jahrzehnte, wenn nicht auf ewig, beschäftigen wird. Sie muss auf der Agenda wieder ganz oben stehen, wenn wir gelernt haben, mit Sars-CoV-2 zu leben.

Und hat die Pandemie bisher nicht unzweifelhaft positive Wirkung auf das Klima? Es sinken doch die Emissionen seit Lockdown, Grenzschließungen, Quarantäne und Homeoffice. Der Flugverkehr ist auf ein Minimum gesunken, es fahren weniger Autos auf den Straßen, die Fabriken stehen still. Unverhofft scheint das Ziel der Bundesregierung wieder in Reichweite: den CO2-Ausstoß bis Ende 2020 gegenüber 1990 auf 40 Prozent zu reduzieren. Ist Corona also für den Klimaschutz nicht doch ein Segen? Nein, muss da die Antwort lauten. Denn Ausgangssperre, Reiseverbot und Zusammenbruch der Industrie sind ja kein nachhaltiger Klimaschutz. Sie sind Einmaleffekt, eine Momentaufnahme. Um so wichtiger wird sein, in den anstehenden Wachstums- und Konjunkturpaketen das Augenmerk auf klimaschonende Technik zu lenken; der Wind- und Solarindustrie muss wieder auf die Beine geholfen werden; zur Wiederbelebung der Bauunternehmen muss die Gebäudesanierung explizit ins Zentrum gestellt werden; Mobilität muss weiter in Richtung Elektro gewendet werden. An ein 100-Milliarden-Programm denkt da die Agora Energiewende.

Und wie finden die Kommunen aus der Krise heraus? Die Grünen haben eine kommunale Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt und stellen sich darin einen Bundesinvestitionsfonds vor – Grünen-Co-Chef Habeck spricht von 500 Milliarden auf zehn Jahre –, mit dem u.a. der Mangel an Fachkräften und Verwaltungspersonal in Städten und Gemeinden finanziell behoben werden soll, damit die Infrastruktur vor Ort klimaneutral werden kann. Um Resilienz und um Klimaanpassung muss es gehen. Dass Kommunen widerstandsfähiger werden und für künftige Krisen besser gewappnet sind. Corona ist bald ausgestanden. Doch die Erderwärmung geht weiter – und das nächste Extremwetter, ob Hitze, Dürre oder Starkregen, ist schließlich nur eine Frage der Zeit.

Ihr Tim Bartels


Abbildung Redakteur Tim BartelsÜber den Autor:

Tim Bartels ist Chefredakteur der Zeitschriften UmweltBriefe und N-Journal. Darin beschäftigt er sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Energie, Abfall, Immissionsschutz, Mobilität, Klima- und Naturschutz, Stadtökologie, Umweltmanagement, Umweltrecht und Lokale Agenda 21. Er ist Träger des UmweltMedienpreises der Deutschen Umwelthilfe.