Mini-Solaranlagen auf dem Balkon
Mini-Solaranlagen werden immer einfacher in der Anwendung. Foto: Astrid Gast/AdobeStock
28. Februar 2023 | Energie und Wärme

Mini-Solaranlagen: Energiewende am Balkon

Längst sind Solaranlagen nicht mehr nur auf Dächern und auf der Wiese einsetzbar. Mittlerweile gewinnen Solarzellen Strom auch schwimmend auf Baggerseen, integriert in Fassaden sowie auf Carports. Und das geht in kleiner Form genauso auf Terrassen, in Gärten und auf Balkonen: Steckerfertige Mini-Solaranlagen bieten auch ohne eigenes Dach die Möglichkeit, an der Energiewende mitzuwirken – was nicht nur das Klima, sondern angesichts steigender Strompreise auch den Geldbeutel schont.

Funktionsweise der Mini-Solaranlagen

Eine Mini-Solaranlage besteht aus einem oder zwei Solarmodulen mit 300 bis 600 Watt Leistung. Auf der Rückseite ist ein winziger Wechselrichter angebracht, der den erzeugten Gleich- in Wechselstrom wandelt, mit dem üblicherweise Elektrogeräte arbeiten. Von diesem Wechselrichter verläuft ein Kabel, das mit einem Netzkabel verbunden über eine normale Steckdose Ökoenergie einspeist. Der auf dem Balkon gewonnene Strom fließt also direkt ins Hausnetz und kann sofort Herd und Waschmaschine versorgen. Da man in diesem Moment weniger Strom aus dem öffentlichen Netz benötigt, läuft der Zähler im Haus natürlich langsamer – und man spart Geld. Strahlt die Sonne im richtigen Winkel aufs Modul herab, kann der Zähler auch ganz stoppen – obwohl Kühlschrank, Router und Computer immer noch „an“ sind und Strom verbrauchen. Erzeugt die Balkonanlage mehr, als man gerade benötigt, fließt der Strom ins Netz ab.

Vereinfachte Genehmigung

Noch bis vor einigen Jahren wurden diese Mini-Solaranlagen als „Guerilla-PV“ tituliert, weil sie abseits technischer Normen im juristischen Graubereich agierten. Nun sind die einstigen Rebellmodule eingehegt worden. Der für deren Normung zuständige Elektrotechnikverband VDE hat ein Papier veröffentlicht, das die Hindernisse abräumt: Demnach können die Balkonkraftwerke bis 800 Watt künftig ans Hausnetz angeschlossen werden – und zwar auch über herkömmliche Schuko-Steckdosen. Bisher sahen die Normen eine extra „Einspeisesteckdose“ vor, die Fachpersonal installieren und mit eigener Zuleitung anschließen musste. Weil eine solche Dose 150 bis 250 Euro kostet, hat sie Einfluss auf die Amortisation der Balkonkraftwerke, die ab 500 Euro zu haben sind.

Weniger Anforderungen

In dieser Anforderung sah auch der VDE eine Hürde und spricht sich neuerdings für eine Duldung der Schukostecker-Variante bis 800 Watt aus. „Damit entfällt ein entscheidendes Hemmnis, das Verbraucher:innen, die per Balkon-PV Solarstrom für den eigenen Verbrauch erzeugen wollen, bis zuletzt verunsichert hatte“, freut sich Michael Friedrich vom Ökoenergieversorger Green Planet Energy. Ebenso zulässig sein soll der Balkon-Solarbetrieb an jedem Stromzähler – selbst an solchen, die sich rückwärts drehen, wenn gerade mehr Strom ins Hausnetz eingespeist als verbraucht wird.

Vereinfacht wird auch die Anmeldung der Geräte. Sie soll nur noch bei der Bundesnetzagentur erforderlich sein, nicht mehr aber bei den Netzbetreibern. „Der Strom wird direkt im eigenen Haushalt erzeugt. Das senkt den CO2-Ausstoß, entlastet die Stromnetze und steigert die Akzeptanz erneuerbarer Energien“, sagt Friedrich. Stand Ende 2022 waren in Deutschland mehr als 200 000 Steckersolargeräte installiert.

Was eine Mini-Solaranlage leistet

Würden sich alle Haushalte in Deutschland eine Steckersolaranlage leisten, könnte mindestens ein großes Braunkohlekraftwerk vom Netz gehen, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) berechnet.

  • Ein Solarmodul mit 300 Watt Leistung, das am Balkon nach Süden ausgerichtet montiert wurde, liefert 280 kWh Strom pro Jahr – das entspricht in einem 2-Personen-Haushalt dem jährlichen Verbrauch eines Kühlschranks und einer Waschmaschine.
  • Ein Standard-Solarmodul kostet zwischen 500 und 600 Euro und hat in der Regel eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren. Die Anschaffung macht sich bereits nach fünf bis sieben Jahren bezahlt.

Solarpflichten und Förderung

  1. Zustimmung des Vermieters. Wer als Mieter eine Mini-Solaranlage an der Balkonbrüstung anbringen will, muss dies mit seinem Vermieter oder der Eigentümergemeinschaft abstimmen. Vermieter können Ihre Anfrage nur ablehnen, wenn dadurch z.B. die Bausubstanz entscheidend beeinträchtigt wird oder sich das Erscheinungsbild des Hauses über die Maßen verändert.
  2. Frage nach dem richtigen Stecker. Der Elektronikverband VDE empfiehlt eine Einspeise- oder Wielandsteckdose von Fachkräften installiert. Diese ist robuster als eine handelsübliche SchukoSteckdose. Doch auch damit lassen sich Balkonkraftwerke gefahrlos betreiben – und werden vom VDE nun auch geduldet.
  3. Kein Zählerwechsel notwendig. Mini-Solaranlagen dürfen an jedem Zählertyp verwendet werden. „Zähler sollen im Rahmen der Bagatellgrenze auch rückwärts laufen dürfen“, schlägt der VDE vor. Verbraucher, die damit Stromkosten sparen wollen, müssten so nicht bis zum bald verpflichtenden Wechsel zum intelligenten Messsystem (Smart Meter) abwarten.
  4. Netzbetreiber muss nicht zwingend informiert werden. Es genügt eine Anmeldung des Balkonkraftwerks unter  https://www.marktstammdatenregister.de bei der Bundesnetzagentur, auf die Netzbetreiber Zugriff haben. Bisher musste man den Netzbetreiber in Kenntnis setzen – entweder über dessen Formular oder über das des VDE „für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz“:  https://www.vde.com/de
  5. Vergütung auf eingespeisten Strom. Wer Solarstrom ins Netz einspeist, hat Anspruch auf eine Einspeisevergütung. 2023 sind das für Strom aus einem Balkonkraftwerk 8,2 Ct/kWh. Sie können darauf verzichten, da Sie ja den Strom überwiegend selbst verbrauchen. Andernfalls bekommen Sie kostenpflichtig einen intelligenten Zähler installiert, der die eingespeiste Menge misst.
  6. Kommunale Zuschüsse. Es lohnt sich, in der eigenen Region nach PV-Förderung zu suchen. Fördermöglichkeiten gibt es mittlerweile in vielen Städten. Immer mehr Kommunen und erste Bundesländer zahlen einen Zuschuss, wenn Sie sich eine Solaranlage für den Balkon kaufen. Damit lassen sich viele Hundert Euro sparen.

Fachinfos und das Positionspapier des Elektrotechnikverbands VDE erhalten Sie unter:  Mini-PV-Anlage: Leitfaden für Installation und Betrieb (dke.de)

Die Verbraucherzentrale informiert hier:  Stecker-Solar: Solarstrom vom Balkon direkt in die Steckdose | Verbraucherzentrale.de

Förderung: Eine Liste mit Kommunen, die Balkon-PV fördern, finden Sie unter:  Mini-PV-Anlagen: Balkonkraftwerk Förderung 2023 – Finanztip

Autor: Tim Bartels, aus  UmweltBriefe, Februar 2023.

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