Wolf mit Jungtieren
16. Mai 2018 | Aktuelles

Im Visier – der Wolf

Sollen Jäger das Vorkommen des Wolfes regulieren und begrenzen dürfen? Oder sind Herdenschutz und Abschussausnahmen bei einzelnen Problemwölfen die Mittel der Wahl?

Für Deutschlands Schäfer ist das einerlei, denn deren existentielle Krise begann lange vor der Rückkehr von Canis lupus, wie jetzt eine Expertenanhörung im Umweltausschuss des Bundestages ergab. Für den Deutschen Bauernverband (DBV) ist das Maß schon voll. Dessen Vertreter Eberhard Hartelt geht hierzulande von „über 1 000 Wölfen“ aus. Er findet es „verharmlosend, nur die Anzahl der Rudel oder Elterntiere zu nennen“. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hat 60 Wolfsrudel für 2016/17 ausgemacht. Ein Rudel besteht aus zwei erwachsenen Tieren und zwei bis zehn Jungtieren. Da sich der Wolf dynamisch entwickle, wie Wolfsforscherin Ilka Reinhardt bestätigte, könnten hierzulande 140 bis 160 adulte Tiere unterwegs sein. Ein „Günstiger Erhaltungszustand“ verlange aber gemäß IUCN-Kriterien nach 1 000 erwachsenen Wölfen, betonte Umweltrechtsprofessor Wolfgang Köck vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

Aufgrund des strengen Schutzstatus für Canis lupus seien „lediglich Tötungsmaßnahmen im Einzelfall“ erlaubt, sagte UFZ-Professor Köck. Ginge es hingegen nach Eberhard Hartelt, dem DBV-Umweltbeauftragten, sollte schon jetzt zum Schutz der Weidetiere eine „Ansiedlung des Wolfes“ in Grünlandregionen, Küsten, Mittelgebirgen und Almen „konsequent durch Entnahme von Rudeln verhindert werden“. Es sei nämlich unmöglich, meint Hartelt, alle Weideflächen „wolfssicher einzuzäunen“.

Das Abschießen nütze gar nichts, sagte hingegen Ilka Reinhardt vom Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und –forschung. Die Tiere dürften gar nicht erst lernen, „dass Schafe lecker sind“, sagte die Wolfsforscherin. Mit einer Bejagung sei den Schafhaltern nicht geholfen, es würde die Konflikte nicht minimieren. Außerden sei ja schon jetzt ein Abschuss allzu dreister Tiere möglich, so Reinhardt. Sie plädierte dafür, von Ländern wie Polen, Italien und Spanien zu lernen, „in denen der Wolf nie weg war“. Dort funktioniere der Herdenschutz, in Deutschland dagegen gebe es noch „Nachholbedarf“. (tb)

Der ganze Text ist nachzulesen in  UmweltBriefe, Ausgabe Mai 2018.

Karte zu den Wolfs-Territorien in Deutschland: www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/karte-der-territorien