Plakate zum Thema Klimaschutz. Foto: AdobeStock
10. Januar 2020 | Aktuelles

Kein Sachbearbeiter, sondern Manager für den Klimaschutz

Dieses Amt in der Kommune ist nicht mehr neu und wird seit mehr als zehn Jahren staatlich gefördert. Doch jetzt erst avanciert der Klimaschutzmanager zu einem der wichtigsten Posten in der kommunalen Verwaltung.

Seine Aufgabe: zum Beispiel Ideen entwickeln, wie Städte und Gemeinden Energie sparen oder nachhaltiger mit Ressourcen umgehen können und damit das Klimaschutzkonzept der Kommune umsetzen. Und nicht zuletzt: ausdauernde Öffentlichkeitsarbeit, um unter den Bürgern mehr Klima-bewusstsein zu schaffen, „eine Klimakultur für den Alltag mitzugestalten“, wie es in der brandenburgischen Gemeinde Rehfelde heißt, wo der Klimaschutzmanager des Amtes Märkische Schweiz 2018 zu einer Klimakulturwerkstatt eingeladen hatte.

„Die Außendarstellung gehört eben auch dazu“, betont Patrick Cisowski, der 2014 als Klimaschutzmanager von Ingelheim in Rheinland-Pfalz im Bauamt begann und noch „kleine Irritationen“ erlebte. „Nicht jeder weiß auf Anhieb, wozu ich da bin, was ich tun soll, kann und darf“, sagte der damals 28-jährige Cisowski 2015, ein Jahr nach seiner Einstellung noch.

Tatsächlich ist der kommunale Klimaschutzmanager kein gewöhnlicher Sachbearbeiter. Und eben auch kein Beauftragter. „Der Begriff Manager trifft es da mal wirklich genau“, sagt Daniel Willeke, der als Klimaschutzmanager für Dessau-Roßlau und Uebigau-Wahrenbrück in Brandenburg unterwegs war.  Tatsächlich unterwegs, denn der Klimaschutzmanager „initiiert Projekte, begleitet die auch, holt Partner an den Tisch und berät über Fördermittel“.

Trendthema Klimaschutz

„Wenn man als junger Wissenschaftler in eine Verwaltung mit erfahrenen Kollegen kommt und denen erzählen will, dass einiges ressourcenschonender geht, ist das nicht einfach – auch für die Kollegen. Viele bleiben gern bei Altbewährtem“, bemängelte Patrick Cisowski vor fünf Jahren noch amtliches Desinteresse für Neues. Doch das ist passé.

Die Dringlichkeit für kreativen Klimaschutz scheint in den deutschen Kommunen angekommen zu sein – was sich auch an der Anzahl angestellter Klimaschutzmanager ablesen lässt. Auch in Ingelheim am Rhein (35.000 Einwohner) sind mittlerweile zwei Stellen für das Klimaschutzmanagement besetzt. Es seien ungefähr 450 in ganz Deutschland, sagte im April 2018 Daniel Willeke, der 2016 mit Kolleginnen und Kollegen eine bundesweite Interessenvertretung für Klimaschutzmanager gründete. Vor sechs Jahren waren erst rund 270 von ihnen vor Ort unterwegs.

Da ist also ein positiver Trend zu sehen. Auf der anderen Seite, sagt Willeke, „haben wir ungefähr 12.000 Kommunen in Deutschland – und darunter nicht mal 450 Klimaschutzmanager.“ Das sei noch ein bisschen wenig, findet der 39-Jährige, der das Amt drei Jahre lang für die 5.500-Einwohner-Gemeinde Uebigau-Wahrenbrück bekleidete. Diesen Posten erst ab 50.000 oder ab 100.000 Einwohnern als sinnvoll zu erachten, sei sehr weit von der Realität entfernt, sagt Willeke, „schließlich machen kleine und mittlere Kommunen die Mehrzahl in Deutschland aus“. Dazu kommen noch die Landkreise, auch Planungsregionen. In jeder Dimension gebe es was zu tun im Bereich Klima und Energie, so Willeke: „Deswegen brauchen wir in der Thematik Personalstelle noch viel mehr Dynamik.“

Wieviele Klimaschutzmanager braucht es?

Klimaschutz müsse als kommunale Pflichtaufgabe gesetzlich verankert werden, fordern seit langem nicht nur Energie- und Umweltforscher wie Hans Hertle vom Heidelberger Ifeu-Institut. Für Hertle ist der „Kümmerer“ um Klimaschutz  eine Schlüsselfigur. Eine Millionenmetropole wie „München braucht vielleicht fünfzehn, für eine kleine Landgemeinde reicht dagegen einer auf Ebene der Verwaltungsgemeinschaft.“ Die Frage lautet also: Wie muss man das hochskalieren? „Wenn ich bei fünfeinhalbtausend Einwohnern voll zu tun habe“, fragt sich Daniel Willeke im brandenburgischen Uebigau-Wahrenbrück, „wieviel Stellenanteile sollte denn dann eine Fünfzigtausend- oder Hunderttausend-Einwohner-Kommune haben für den Bereich Klima und Energie?

Die Stelle des Klimaschutzmanagers wird vom Bundesumweltministerium (BMU) im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative zu 65 Prozent für drei Jahre gefördert. Daran anschließend kann der Bund auf Antrag noch einmal zwei Jahre lang 40 Prozent der Personalkosten übernehmen. Früher war ein Ratsbeschluss für ein Klimaschutzkonzept Bedingung für die Förderung eines Klimaschutzmanagementpostens, mittlerweile darf man sich einen Manager fördern lassen, damit der ein Konzept überhaupt erst mal mit entwickelt. Damit wurde einer Urforderung der kommunalen Spitzenverbände entsprochen.

Klimaschutz als Daseinsvorsorge

Doch die Crux ist der Förderzeitraum, wenn die Kommuen die Stelle danach sang- und klanglos wieder auslaufen lassen. „Man kann doch in drei bis fünf Jahren nicht die Welt retten“, kritisiert da der erfahrene Klimaschutzmanager Willeke, der das Unvermögen mancher Gemeinde, die Stelle aus eigenen Mittel zu stemmen, am eigenen Leib zu spüren bekommen hat. Sein Engagement für Uebigau-Wahrenbrück verlängerte die Stadt nach den drei Jahren der staatlichen Förderung nicht mehr.

Dieses Dilemma kennt auch der Klimaschutzmanager der Stadt Braunschweig, Matthias Hots: „Ich brauchte mindestens fünf Jahre, bis ich die Verwaltung verstanden habe, bis ich in der Lage war, ein Projekt durchzuziehen“. Hots hatte das Glück, dasss sein Job „noch vor Auslauf der Förderung fortgesetzt“ und sogar noch eine zweite Stelle besetzt wurde. In kleineren Gemeinden kranke es daran, dass Klimaschutz immer noch keine Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge sei, sagt Hots: „Zumindest nicht als solche gesehen wird.“ Obwohl das längst nicht mehr ganz richtig sei, betont Willeke, weil im Baugesetzbuch, im Planungsrecht, in der Energieeinsparverordnung, über das Erneuerbare-Energien-Gesetz und jetzt auch über das Klimapaket „viele verpflichtende Bausteine zu Klima und Energie drin sind“.

Deshalb fordert er: „Der Job eines Klimaschutzmanagers muss fest in der Kommune verankert werden, sonst kann er nicht langfristig arbeiten.“ Doch auch die Bundesregierung müsse mehr Anreize schaffen. „Viele Kommunen haben wenig Geld und wissen immer noch nicht so genau, was ihnen so eine Stelle bringt“, sagt Willeke. Dabei bringe ein Klimaschutzmanager – wenn er seinen Job gut macht – mehr ein, als für ihn ausgegeben werden muss.

Autor: Tim Bartels

Das komplette Interview mit Braunschweigs Klimaschutzmanager Matthias Hots lesen Sie im neuen  N-Journal 1/2020.