2020 wird das Jahr des Aufbrichs. Foto: Patryssia, AdobeStock
28. Januar 2020 | Bartels Blog

2020 – Jahr des Aufbruchs?

Liebe Leserin, lieber Leser,

als die 10er Jahre des 21. Jahrhunderts begannen, galt es erst mal, eine große Enttäuschung zu verdauen: die Klimaschutzpleite von Kopenhagen. Nach dem Scheitern dieser 15. UN-Klimakonferenz von 2009 sank die Aufmerksamkeit für den Klimawandel in den Keller. Die Politik behandelte das physikalisch reale Umweltproblem als eines, dass erst 2050 oder 2100 wirksam würde. Auch den klassischen Umweltorganisationen wurde Schwäche und Altersmilde vorgeworfen, sie hätten sich schön eingerichtet und begnügten sich lediglich mit ihrer Klientel der ohnehin Gutwilligen, mobilisierten aber international keine Massen, so die Kritik.

Doch nun zu Beginn der 20er Jahre ist anscheinend alles anders: Die Aufmerksamkeit für den Klimawandel ist omnipräsent, und die Naturschutzorganisationen erfreuen sich starken Mitgliederzuwachses. Doch international haben nicht die Umweltverbände die Massen mobilisiert, sondern es war die inzwischen 17-jährige Schwedin Greta Thunberg, die 2019 auch hierzulande eine Jugendbewegung anstieß. Eine ihrer deutschen Protagonistinnen von Fridays for Future, Luisa Neubauer, stellt fest, „dass wir zum ersten Mal mit einem System hantieren“, dem ökologischen nämlich, „das wir nicht mehr reparieren können“. Bisher, so die Göttinger Geografiestudentin, gingen wir damit um „wie mit einem maroden Hochhaus, als könnten wir es sanieren oder einfach abreißen“. Das zu kapieren, musste erst eine Jugendbewegung kommen, die die Untersuchungen der Wissenschaft ernst nimmt.

Der Klimawandel findet ja bereits spürbar statt. 2019 war hierzulande das drittwärmste Jahr seit Beginn regelmäßiger Messungen. Mit angestoßen hat Fridays for Future auch die Entscheidung deutscher Kommunalparlamente, einen „Klimanotstand“ auszurufen. Wikipedia listet bisher 68 solcher Gemeinden auf. Kritisiert als bloße Symbolpolitik oder als falscher Begriff, ist es doch immerhin ein öffentlichkeitswirksamer Weckruf. Und der wird sich dieses Jahr auch in der Hamburger Bürgerschaftswahl am 23. Februar sowie in den Kommunalwahlen in Bayern (15. März) und in NRW (13. September) niederschlagen. Viel Aufmerksamkeit wird auch im Oktober der Weltnaturschutzgipfel im chinesischen Kunming erregen. Dort könnte ein Abkommen ähnlich dem Pariser Klimavertrag zustandekommen. 2020 wird das Jahr, in dem sich entscheidet, ob der Aufbruch nicht irgendwann, sondern jetzt beginnt. Wir bleiben dran,

Ihr Tim Bartels


Abbildung Redakteur Tim BartelsÜber den Autor:

Tim Bartels ist Chefredakteur der Zeitschriften UmweltBriefe und N-Journal. Darin beschäftigt er sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Energie, Abfall, Immissionsschutz, Mobilität, Klima- und Naturschutz, Stadtökologie, Umweltmanagement, Umweltrecht und Lokale Agenda 21. Er ist Träger des UmweltMedienpreises der Deutschen Umwelthilfe.