Der Wassermangel nimmt in deutschen Landkreisen zu
Der Wassermangel nimmt in deutschen Landkreisen zu. Foto: Tomas Castelazo, Wikimedia Commons
16. Juli 2026 | Bürgerinfo

Wassermangel: Kein Trinkwasser für Rasen

Aufgrund von immer mehr Hitzetagen im Jahr und längeren Dürreperioden appellieren Städte, Gemeinden und deren regionale Wasserversorger an ihre Bürgerinnen und Bürger, sparsam mit Wasser umzugehen. Dabei geht es nicht nur darum, mit unserem Lebensmittel No. 1, dem Trinkwasser sorgsam umzugehen, sondern auch mit dem oft übernutzten Grundwasser.

In 141 Landkreisen wird mehr Grundwasser verbraucht als nachkommt

Bei ausbleibendem Niederschlag, hoher Temperatur und gleichzeitig erhöhter Grundwasserentnahme – zum Beispiel zur Bewässerung privater oder öffentlicher Grünflächen oder bei Bergbau, Industrie und Landwirtschaft – kommt es unweigerlich zu verstärktem Absinken der Grundwasserstände, was gravierende Auswirkungen auf die Ökosysteme haben kann.

Besonders betroffen sind Regionen in Ost- und Norddeutschland, entlang des Oberrheins sowie des Südwestens. Das zeigt eine Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung im Auftrag des BUND aus dem vorigen Jahr. Danach würden von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten rund die Hälfte „als potentiell von strukturellem und/oder akutem Grundwasserstress betroffen“ ausgemacht.

In 141 der betroffenen Landkreise wird das Grundwasser laut Studie „übernutzt“. Das heißt, jedes Jahr wird dem Grund mehr als die empfohlene Menge von 20 Prozent des neu gebildeten Wassers entnommen. 94 Kreise haben akuten Wasserstress. Die Klimakrise verschärft das Problem.

Grundwasser ist eine eminent wichtige Ressource: Mehr als zwei Drittel des Trinkwassers werden aus ihr gewonnen. Ebenso versorgt das Grundwasser Pflanzen und Boden und speist Bäche und Flüsse.

Mangel an sauberem Wasser steigt

1. Zu hohe Verschmutzung durch PFAS, Nitrat oder Arzneimittel

Dass Deutschland Mensch und Natur mit ausreichend sauberem Wasser versorgen könne, wurde in den vergangenen Jahren zunehmend in Frage gestellt. In vielen Wassereinzugsgebieten wird ein qualitativ guter Zustand gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie verfehlt. Neben Nitrat, Pflanzenschutz- und Arzneimitteleintragen bereiten neuerdings auch „Ewigkeitschemikalien“ wie die per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) Sorgen.

2. Fehlende Daten zur Wassernutzung erschweren Wassermanagement

Aber auch die Wassermenge ist in bestimmten Regionen zu bestimmten Zeiten häufig nicht mehr ausreichend. Darauf sind Wassermanagement und Politik aber nicht gut vorbereitet: Es fehlen Daten, wer wie Grundwasser nutzt. Dabei nehmen die Konflikte um die Wassernutzung zu, auch vor Gericht.

3. Wasserbedarf steigt wegen der Hitze, aber auch wegen Rechenzentren etc.

Heise, trockene Sommertage lassen den Wasserbedarf von Privathaushalten, Kühlungs- und Bewässerungsanlagen sprunghaft ansteigen. In der Folge haben im Hitzesommer 2023 mehr als 80 Landkreisen die Wasserentnahme eingeschränkt. Langfristig kann der Wasserbedarf in einzelnen Regionen noch steigen, wenn z. B. wasserintensive Rechenzentren, Batterie- oder Halbleiterfabriken sich ansiedeln werden.

Hebel, um Wasservorräte zu stärken

Die gute Nachricht: Es gibt Hebel, die Wasservorräte zu stärken: Humusreiche Boden, naturnahe Wälder und Gewässer, strukturreiche Auen, nasse Moore und sogenannte Schwammstädte helfen, dass Böden die Niederschläge wieder besser halten. Das hilft der Natur und schützt uns Menschen.

Wasserverbrauch in Deutschland

Die Menschen in Deutschland sind am Wasserhahn sparsamer geworden: Im Durchschnitt verbraucht jede Person 23 l pro Tag weniger als 1991. Von den 121 l pro Tag nutzen wir mehr als ein Drittel, nämlich 43,6 l oder 36 % für unsere Körperpflege. Vergleichsweise viel geht auch für die Toilette drauf: 32,7 l oder 27 %. Zum Wäschewaschen benötigen wir 14,5 l (12 %) und fürs Putzen, Gartenbewässerung und Autopflege sind es täglich 7,3 l (6 %). Die gleiche Menge nutzen wir fürs Geschirrspülen. Und nur 4,8 l Wasser sind fürs Essen und zum Trinken (4 %). Der Rest bzw. Sonstiges, 10,9 l, berechnet sich anteilig als Verbräuche kleiner Betriebe und Einrichtungen, die über die öffentliche Trinkwasserversorgung laufen: also z. B. kleine Läden und Praxen sowie Handwerks- und Diensleistungsbetriebe.

Autor:  Tim Bartels.aus der Ausgabe 7/8 der  UmweltBriefe.

Überzeugen Sie sich von dem hohen Praxisnutzen und Mehrwert, den die  UmweltBriefe bieten. Zwei kostenlose Probehefte sind für Sie reserviert:  www.walhalla.de/probeabo-umweltbriefe


Die Überblicksstudie im Auftrag des BUND zum Grundwasserstress in Deutschland:  grundwasserstress-deutschland-kurzfassung-studie-wasser-analyse-strukturell-entnahme-landkreise-bund-isoe-2025.pdf

Weitere praktische Alltagstipps nicht nur zum Wassersparen hält der Umweltverband BUND für Sie
bereit unter:  Wasser sparen

Wasseratlas der Heinrich-Böll-Stiftung:  Wasseratlas 2025: Online, als PDF oder per Post

 

So einfach sparen Sie Wasser in Haus und Garten:

  1. 1.

    Sparsam duschen. Installieren Sie einen wassersparenden Duschkopf. Pro Minute werden beim Duschen 12 bis 15 Liter verbraucht. Der Sparduschkopf senkt den Verbrauch auf 6 bis 9 Liter pro Minute, ohne den Komfort einzuschränken.

  2. 2.

    Verhalten optimieren. Ein ganz einfacher Trick, um Wasser zu sparen: Drehen Sie beim Zähneputzen oder Einseifen unter der Dusche das Wasser ab.

  3. 3.

    Geräte richtig nutzen. Schalten Sie Waschmaschine und Geschirrspüler nur dann an, wenn sie tatsächlich voll beladen sind, und nutzen Sie konsequent die Eco-Programme. Die dauern zwar länger,
    sparen aber Wasser und Strom.

  4. 4.

    Klospülung. Nutzen Sie nach dem Toilettengang die Spül-Stopp-Funktion. Das halbiert die Menge des Spülwassers. Wenn Sie die Möglichkeit haben, Regenwasser zu sammeln, können Sie das zur Toilettenspülung nutzen. Prüfen Sie, ob ihr Spülkasten dicht ist. Ist er undicht, fließt Wasser dauerhaft in die Toilettenschüssel und der Spülkasten zieht automatisch neues Wasser.

  5. 5.

    Regenwasser nutzen. Fangen Sie Regenwasser in Zisternen oder Regentonnen auf, um damit Pflanzen zu gießen. Trinkwasser ist für den Garten zu schade.

  6. 6.

    Richtig gießen. Bewässern Sie Ihre Beete nur morgens oder abends, da sonst zu viel Wasser ungenutzt verdunstet. Gießen Sie lieber selten, dafür aber durchdringend, damit die Wurzeln tiefer wachsen.

  7. 7.

    Verdunstung minimieren. Bedecken Sie den Boden rund um die Pflanzen mit Mulch (z. B. Rasenschnitt oder Rinde), um die Feuchtigkeit im Boden zu halten.

  8. 8.

    Statt Rasen Stauden. Pflanzen Sie pflegeleichte, heimische Stauden, die mit Trockenperioden besser zurechtkommen als ein konventioneller Rasen.

  9. 9.

    Bäume pflanzen. Ein großer Baum kann mehrere hundert Liter Wasser an einem Sommertag verdunsten und erzeugt damit pro 100 Liter so viel Verdunstungskälte wie zwei Klimaanlagen. Deshalb: Pflanzen Sie sozusagen „Wasser“ an!