Für eine veritable Verkehrswende brauchen wir eigentlich vor allem viel weniger Autos auf den Straßen. Doch auf ihr motorisiertes Vehikel wollen nur wenige verzichten. Zumindest aus ökologischer Sicht ist da ein Elektroauto längst die bessere Wahl. Das sieht auch der VCD so und stellt neuerdings Informationen und Tipps für den Einstieg in die Elektromobilität bereit.
Wenn schon Auto, dann so eins
„Wenn schon ein Auto, dann so eins“, hieß es drei Jahrzehnte lang von Seiten des ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD), der von 1989 bis 2019 (fast) jedes Jahr eine Auto-Umweltliste herausgab und darin Empfehlungen für klimafreundliche PKW aussprach. Jahrelang dominierten im Ranking zunächst die 3-l-Diesel, dann Erdgasautos und später hybride PKW, also Verbrenner mit kombiniertem Elektromotor.
Erst in der letzten Ratgeberliste im September 2019 empfahl der VCD gleichrangig 19 E-Modelle, darunter drei Plug-In-Hybride. Fazit damals: E-PKW seien ein Kompromiss für alle, die umweltschonend unterwegs sein wollen, aber auf ein Auto angewiesen sind. Nun heißt es: Elektromobilität mit direkter Stromnutzung ist die klimaschonendste und effizienteste Antriebsform.
Klimavorteil gegenüber Verbrennern
Über seinen Lebenszyklus hinweg hat das E-Auto bereits heute einen Klimavorteil gegenüber Benzinern und Dieseln“, schreibt der VCD auf seiner Webseite. Klar ist, dass mit steigendem Erneuerbare-Energien-Anteil – mittlerweile über 60 Prozent – am Gesamtstrommix und technischen Fortschritten bei der Batterieherstellung auch die Klimavorteile der E-Autos PKW anwachsen. Das weiß zu überzeugen.
Vorbehalte gegenüber E-Autos
Während der öffentliche Verkehr in Deutschland bereits zu zwei Dritteln elektrisch unterwegs sein soll, wie der VCD berichtet, hatte 2025 jeder fünfte Neuwagen einen Elektromotor. Doch die angeblich höheren Anschaffungskosten, geringen Reichweiten und mangelnden Lademöglichkeiten scheint viele noch davon abzuhalten, mit einem Elektroauto unterwegs sein zu wollen. Dabei lagen die mittleren Reichweiten mittlerweile bei 350 bis 450 km und das Ladenetz wachse stetig, ist der VCD zuversichtlich. „Die Angst, ohne Strom liegen zu bleiben, ist somit immer weniger berechtigt.“ Und was den Kaufpreis für ein E-Auto angeht, sei die Anschaffung „in vielen Fällen schon heute günstiger als ein vergleichbarer Verbrenner, wenn man alle Kosten berücksichtigt – zumindest ist es ebenbürtig“.
Förderung für Elektroauto
Überdies gibt es nach dem abrupten Ende des Umweltbonus im Dezember 2023 neuerdings wieder eine Förderung für batterieelektrische Fahrzeuge und – umstritten – auch für Plug-In-Hybride. Die Zuschüsse sind sozial gestaffelt und reichen von 1 500 bis 6 000 Euro – je nach Einkommen, Familienstand und Art des Fahrzeugs.
Carsten Schneider rechnet mit 800 000 E-Autokaufern, die eine Forderung beantragen – und mit noch mal 800 000 E-Autofans, die sich eines ohne Förderung leisten. Gebrauchtwagen zahlen vorerst nicht dazu, was der VCD kritisiert. Derzeit sei der Gebrauchtwagenmarkt noch zu klein, erklärte Schneider. Er erwartet, dass man künftig von deutschen Herstellern inklusive der Förderung ein E-Auto für weniger als 20 000 Euro erhalten kann. „Da sind jetzt richtig geile Autos“, findet der Umweltminister.
PHEV fahren mit Verbrennungs- und Elektromotor, haben rein elektrisch etwa 30 bis 75 km Reichweite und schalten bei leerer Batterie oder hohen Geschwindigkeiten auf Verbrenner um. Deren reale Kraftstoffverbräuche übersteigen oft die Herstellerangaben, wie eine aktuelle Studie zeigt.
Für die Studie wurden Daten von 1 Mio. PHEV unterschiedlicher Hersteller Baujahr 2021 bis 2023 ausgewertet. Die Wissenschaftler ermittelten deren Spritdurst auf der Straße über die Daten, die die Fahrzeuge regelmäßig per Funk übermitteln.
Ergebnis: Während der Normverbrauch ungefähr bei 1,5 l auf 100 km lag, waren es den Realdaten zufolge 6 l und damit in der Nähe reiner Verbrenner. Entsprechend höher sind CO2-Ausstoß und Spritkosten.
Autor: Tim Bartels, UmweltBriefe, März 2026.
Tipps des VCD zum E-Auto: E-Auto
Fragen und Antworten zur E-Auto-Förderung des Bundesumweltministeriums: BMUKN: Fragen und Antworten zur E-Auto-Förderung
Das Antragsportal für die E-Auto-Förderung voraussichtlich ab Mai unter: www.bafa.de
Studie zu Plug-In-Modellen: https://fraunhofer.sharepoint.com/sites/BMUPHEVAnalyse2025/Freigegebene Dokumente/General/Bericht/Analyse_PHEV_2025_v5
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Elektroauto: Tipps für den Einstieg
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1.
In der Stadt. Besonders effizient fahren E-Autos im dichten Stadtverkehr. Bei Stop-and-go lädt zurückgewonnene Bremsenergie die Batterie nach, kleine Akkus reichen aus. Bei günstigen Einstiegsmodellen liegt die Reichweite zwischen 200 und 300 km, im reinen Stadtbetrieb sind bis 400 km möglich – allerdings sinkt die Reichweite in kalten Wintern erheblich. Für städtische Flotten mit hohen Fahrleistungen, Lieferdienste, Taxi- oder Carsharing-Unternehmen sind E-Autos besonders geeignet.
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2.
Über längere Strecken. Wer viel fährt, muss für mehr Reichweite deutlich mehr Geld bezahlen. Teurere Modelle kommen zwischen 400 bis 600 km weit – teils auch mehr. Allerdings: Im Schnitt legen private Autofahrer weniger als 16 km am Tag mit dem PKW zurück.
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3.
Auf niedrigen Verbrauch achten. Die meisten Elektroautos verbrauchen laut Hersteller zwischen 15 und 20 Kilowattstunden auf 100 km, viele neue und kleinere Modelle auch darunter – das ist der Maßstab. Grundsätzlich gilt: Je kleiner und leichter ein E-Auto, desto geringer der Verbrauch.
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4.
Ladeinfrastruktur. Wer nicht zuhause oder am Arbeitsplatz laden kann, dem stehen mittlerweile mehr als 200 000 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung. Dank ausgeklügelter Apps sind auch Langstrecken bequem und ohne Reichweitenangst möglich: Sie planen die Reise auf Basis des Ladezustands der Batterie, des aktuellen Durchschnittverbrauchs und der Lademöglichkeiten unterwegs.
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5.
Für mehr Reichweite. Laden Sie die Batterie im täglichen Kurzbetrieb nicht über 80 Prozent, um die Lebensdauer zu schonen. Bei mehr als 12 Stunden Standzeit sollte die Batterie zwischen 30 und 80 Prozent aufgeladen sein, um sie optimal zu schonen. Bei vollständiger Ladung (100%) sollte der Wagen nicht lange parken, sondern bald bewegt und entladen werden.
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6.
E-Gebrauchtwagenkauf. Auch mit Förderung sind neue E-Autos für viele unerschwinglich. Daher lohnt ein Blick auf den Gebrauchtwagenmarkt. Dort finden sich immer mehr Stromer zu erschwinglichen Preisen. Gut informieren, denn nicht immer ist bei älteren Modellen das Schnellladen möglich. Häufig ist die Ladeleistung begrenzt und das Laden dauert länger.