Die „Baum des Jahres – Dr. Silvius Wodarz Stiftung“ hat dieses Jahr die Zitterpappel (Populus tremula) gekürt. Diese Wahl soll die ökologische Bedeutung der auch als Aspe oder Espe bekannten Pionierbaumart im Klimawandel unterstreichen.
Die Zitterpappel zählt zu unseren auffälligsten heimischen Laubbäumen. „Schon ein leichter Wind bringt ihre Blätter zum Flirren und verleiht ihr ein fast lebendiges, tanzendes Aussehen“, schreiben der Präsident der Wodarz-Stiftung, Stefan Meier, und die Baumkönigin von 2016 und Forstwissenschaftlerin Lil Wendeler.
Pionierbaumart Zitterpappel
Doch nicht nur ihre elegante Erscheinung macht die zu den Weidenbäumen zählende Zitterpappel so besonders. Sie bietet auch vielen Tieren einen Lebensraum. „Mehr als 60 Schmetterlingsarten nutzen sie als Futterpflanze, Spechte zimmern Höhlen in das weiche Holz, und viele Singvögel profitieren von ihrem reichen Insektenangebot“, teilt die Wodarz-Stiftung mit.
Charakteristisch für die Zitterpappel ist ihre breit verzweigte Krone und ihre beweglichen Blätter, die aufgrund ihrer langen Blattstiele bei jeder Luftbewegung zittern (lat. tremula). Davon leitet sich ihr Name ab. Die schnellwüchsige Pionierbaumart Populus tremula bevorzugt sonnige bis halbschattige Plätze mit gut durchlässigen, frischen Böden. Sie erweist sich als sehr widerstandsfähig, u. a. gegenüber Frost und Wind, und kann sich in unterschiedlichen Landschaften behaupten.
Resilient gegenüber Frost und Wind
Gerade im Klimawandel spielt sie eine wichtige Rolle beim Walderhalt: Nach Stürmen, Bränden oder Kahlschlägen ist sie oft die erste Baumart, die zurückkehrt. Durch ihr weit verzweigtes Wurzelsystem kann sie sich vegetativ vermehren und bildet so ganze Pappelhaine. Berühmtes Beispiel ist „Pando“ in Utah (USA), ein gewaltiger Klon aus 47 000 Stämmen der Amerikanischen Zitterpappel (P. tremuloides), der auf 43 Hektar als größter lebender Organismus der Welt gilt.
Ihr Holz ist hell, leicht und gut zu bearbeiten, ideal für Zündhölzer, Sperrholz, leichte Möbel oder für Papier. Früher nutzte man die Blätter für Salate oder fermentierte sie als Vitamin-C-reichen Ersatz für Sauerkraut. Die Rinde enthält Salicylate. In der Forstwirtschaft spielt die Zitterpappel eine wichtige Rolle, weil sie als Pionierbaum den Boden verbessert und die Biodiversität fördert. In offenen Agrarlandschaften wird sie gerne gepflanzt, um Winderosion zu verringern.
Der lateinische Name Populus tremula steht für „Pappel“ und „zittern/beben“, was das markante Rascheln der herzförmigen Blätter mit seitlich abgeflachtem Stiel widerspiegelt. Der Laubbaum bietet
zahlreichen Tieren Lebensraum: z. B. mehr als 60 Schmetterlingsarten nutzen ihre Blätter als Futterquelle, darunter der Schillerfalter. Ihr weit verzweigtes Wurzelsystem bringt immer wieder neue Triebe hervor. So kann die Pappel nach Stürmen oder Waldbränden rasch neue Bestände bilden.
Mit 15 bis 25 m Höhe, ihrem schlanken Stamm und der am Jungbaum glatten, graugrünen Rinde, die im Alter dunkler wird und längsrissig aufbricht, ist die Zitterpappel eine elegante Erscheinung.
Autor: Tim Bartels, UmweltBriefe, Januar 2026.
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Tipps zum Bäumepflanzen
- 1.
Beste Pflanzzeit. Die ideale Zeit ist Herbst (September bis November) oder Frühling (März bis Mai), solange der Boden frostfrei ist. In dieser Ruhephase können Wurzeln wachsen, ohne dass der Baum Blätter versorgen muss.
- 2.
Vorbereitung und Pflanzung. Wählen Sie baumartgerechte Standorte mit ausreichend Platz. Heben Sie ein Pflanzloch doppelt so breit wie der Wurzelballen aus, lockern Sie den Boden auf und mischen Sie Kompost ein. Pflanzen Sie nicht zu tief, stützen Sie mit Pfählen ab, gießen Sie reichlich und bilden Sie einen Gießrand.
- 3.
Zitterpappel. Wäre der Baum des Jahres 2026 ideal als heimische Pflanzart? Ja, das Pflanzen einer Zitterpappel in Deutschland ist im Klimawandel sinnvoll, da sie als robuste Pionierbaumart Kahlflächen schnell besiedelt und widerstandsfähig gegen Hitze, Dürre und Wetterextreme ist. Doch sie sollte zum Beispiel in kleinen Gärten sparsam eingesetzt werden, da ihr schnelles Wachstum mit den Wurzelausläufern invasiv wirken und andere Pflanzen verdrängen könnte.
- 4.
Welche Baumarten? Wählen Sie standortgerecht (sonnig/trocken) und pflanzen Sie vielfältig, um Monokulturen zu vermeiden. Diese Arten stammen aus Forschungsprojekten wie „Stadtgrün 2021“ und Empfehlungen von NABU oder GALK: Sie priorisieren heimische oder angepasste Sorten für Biodiversität, z.B. den Lederhülsenbaum (Gleditsia triacanthos): Extremhitze und trockenheitsverträglich, stadtklimafest; Hainbuche (Ostrya carpinifolia/Carpinus betulus): tiefwurzelnd, standfest, toleriert Trockenheit und Frost; Eisenholzbaum (Parrotia persica): hitze- und trockenheitsresistent, schöne Herbstfärbung, anpassungsfähig; Baumhasel (Corylus colurna): anspruchslos, windfest, hitze- und trockenheitstolerant auf verschiedenen Böden; Feldahorn (Acer
campestre): Frosthart, windfest, kalkliebend, flaches Wurzelsystem für nichttiefe Böden; Amberbaum (Liquidambar styraciflua): trockenheitsverträglich, für größere Flächen geeignet mit toller Färbung; Zelkove (Zelkova serrata): schmale Krone, hitze- und trockenheitsresistent, ideal für enge Räume. - 5.
Nachpflege. Gießen Sie regelmäßig, besonders im ersten Jahr, und mulchen Sie mit Rinde gegen Austrocknung. Düngen Sie sparsam mit Hornspänen und schützen Sie vor Wildverbiss. Lokale Naturschutzorganisationen wie der Nabu bieten oft kostenlose Beratung oder Aktionen an.
