Umweltbriefe Ausgabe Juni 2022
17. November 2022 | Allgemein

Umweltbriefe Ausgabe Juni 2022

Diesen Monat erwarten Sie wieder zahlreiche informative Beiträge, u. a. zu den Themen LNG-Anlagen, Umweltbriefe, Umweltbriefe, Umweltbriefe, Umweltbriefe, Umweltbriefe, Umweltbriefe, Umweltbriefe, Umweltbriefe, Umweltbriefe.

Die Themen im Überblick:

 

Titel: Gas im (Über-)Fluss

Bislang gibt es in Deutschland keine Flüssigerdgas-(LNG)-Terminals. Ihren künftigen und schnellen Bau soll nun ein LNG-Beschleunigungsgesetz erheblich vereinfachen. Der Bundesrat hat das Gesetz ohne viel Federlesen am 20. Mai durchgewunken – was der BDEW begrüßt. „Für das Ziel, bis 2024 russische Gaslieferungen fast vollständig aus anderen Quellen decken zu können, sind eigene LNG-Terminals unverzichtbar“, sagt BDEW-Präsidentin Andreae.

Als Standorte für schwimmende LNG-Anlagen sind Brunsbüttel, Wilhelmshaven, Stade, Hamburg, Rostock avisiert. Das erste schwimmende FSRU (Floating Storage and Regasification Units) wird voraussichtlich bereits zum Ende dieses Jahres vor Wilhelmshaven entstehen, Anfang 2023 das zweite. Von 2025 an sollen diese Spezialschiffe durch Terminals an Land ersetzt werden. Ob man diese bis zu elf Anlagen aber benötigt, ist unklar. Eine Bedarfsplanung hat Wirtschaftsminister Habeck bisher nicht vorgelegt.

Umweltverbände warnen vor einer Überkapazität. Eine Betriebserlaubnis für elf LNG-Terminals wäre „für so erhebliche CO2Emissionen verantwortlich, dass sie nicht mit dem Paris-Abkommen, dem Bundesklimaschutzgesetz und dem Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts vereinbar ist“, beklagt die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Dabei bestünde „ein Eilbedarf“, so der Umweltverband, selbst laut dem Wirtschaftsministerium nur für zwei Vorhaben, eben den bereits im Bau befindlichen schwimmenden LNG-Terminal in Wilhelmshaven und dessen Anschlusspipeline vom Hafen zur 26 km entfernten Leitung der Norddeutschen Erdgas-Transversale (Netra) sowie einer zweiten LNG-Anlage. Das Beschleunigungsgesetz dagegen mit seinen langen Betriebsgenehmigungen für feste Terminals an Land „gießt unsere Abhängigkeit von fossilem Gas bis weit in die 2040er Jahre in Zement“, sagt DUH-Chef Sascha Müller-Kraenner.

Feste LNG-Terminals würden „nur mit dem Ziel, auch Wasserstoff-ready zu sein, gebaut“, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Habeck verspricht, die Terminals so früh wie möglich für Wasserstoff zu nutzen. Doch im Gesetz befinden sich keinerlei Vorgaben zur wasserstofffähigen Planung solcher Anlagen, bemängelt die DUH.

Laut des nun vom Bundesrat abgesegneten Gesetzes werden landseitige LNG-Terminals zwar nicht von einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ausgenommen sein, FSRU dagegen schon. Und die überdimensionierte Kapazität bleibt, ebenso das Enddatum für den Terminalbetrieb: 2043.

Dabei bescheinigen Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und des Beratungsunternehmens Artelys, dass bestehende Pipelines und LNG-Terminals (z.B. Zeebrugge in Belgien oder Rotterdam in den Niederlande) in Mitteleuropa eigentlich ausreichten, um die Versorgung mit Erdgas, unabhängig von Russland, sicherzustellen.

Dass auch die Biogasbranche fossile Importe aus Putins Reich in großem Stil ablösen könnte, scheint aber nicht der Fall. Die Substitution von russischem Gas durch Biogas sei nur begrenzt möglich, sagt das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ). Ohnehin, teilen die Bioenergieforscher mit, sei ein direkter Ersatz von Erd- durch Biogas erst nach Aufbereitung zu Biomethan möglich. „Dies erfolgt derzeit im Umfang von elf Terawatttstunden, was einem Anteil von etwa einem Prozent am Gasmarkt entspricht.“ Dieser ließe sich nach Einschätzung des DBFZ bis 2030 auf nur drei Prozent ausweiten.

von Tim Bartels

Das DBFZ-Papier Die Rolle von Biogas für eine sichere Gasversorgung in Deutschland steht bereit unter https://www.dbfz.de/pressemediathek/weitere-publikationen/stellungnahmen-studien

Gesetzentwurf zur Beschleunigung des Einsatzes verflüssigten Erdgases: https://dserver.bundestag.de/btd/20/017/2001742.pdf

LNG-Gesetz im Bundesrat: https://www.bundesrat.de/SharedDocs/beratungsvorgaenge/2022/0201-0300/0221-22.html

Merk-Würdiges: OB-Barometer 2022 – Klima-Challenge ganz oben

Seit 2015 befragt das Difu jährlich fast 200 (Ober-)BürgermeisterInnen von Kommunen ab 50 000 Einwohnern nach ihren wichtigsten aktuellen Aufgaben und Herausforderungen, 144 OB haben dieses Jahr geantwortet, darunter 15 Stellvertreter. Ihre Topthemen sind Klimaschutz, Corona und mehr Wohnraum.

Klimaschutz nimmt 2022 erstmals mit deutlichem Abstand den Spitzenplatz unter den drängendsten Aufgaben ein: 61 Prozent der OBs stellen das Senken der Treibhausgasemissionen und Klimaanpassung auf ihrer Agenda ganz nach oben; unter den OBs der Städte über 200 000 Einwohner sind es sogar 88 Prozent. Im vergangenen Jahr sahen nur 45 Prozent der Stadtspitzen Klima als wichtigstes Thema an. Höher lagen 2021 nur der Wert für die Corona-Maßnahmen (69 Prozent) und 2019 fürs Thema Wohnen (66). Bemerkenswert auch, dass dieses Jahr lediglich 36 Prozent der ostdeutschen OBs Klimaschutz als wichtigstes Handlungsfeld nennen.

Auch in der Frage nach den Zukunftsthemen steht „Klima“ oben, gefolgt von „Mobilität“. Dies unterstreiche den großen Stellenwert, den die Stadtoberen Umweltfragen einräumen, interpretiert das Difu die Zahlen: „Bedenkt man, dass es bei der urbanen Mobilität entscheidend darum geht, Lösungen jenseits des motorisierten, CO2emittierenden Individualverkehrs zu entwickeln, wird deutlich, dass mit Mobilität ein zweites Klimathema oben auf der kommunalen Agenda rangiert.“

Neben weiteren wichtigen Zukunftsthemen wie Wohnen, Digitalisierung und Finanzen taucht unter den bundesdeutschen Stadtspitzen zum ersten Mal „Fachkräfte halten und gewinnen“ auf. Dieses Thema wird mit gut einem Drittel vor allem von ostdeutschen (Ober-)Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern genannt. Damit werde deutlich, so Difu-Projektleiterin Beate Hollbach-Grömig, dass der Mangel an Fachleuten und Klimahandwerkern nun auch in den kommunalen Verwaltungen und Unternehmen angekommen sei: „Dieses Problem wird sich ohne Zweifel in den nächsten Jahren verschärfen. Die Kommunen sind gefordert zu zeigen, dass sie attraktive Arbeitgeber sind.“

Im Vergleich zum Vorjahr haben die Themenfelder Wohnen, Mobilität und Klimaschutz an Bedeutung gewonnen. Dies interpretiert das Difu so, dass Verbesserungen aus Sicht der Kommunen offenbar noch nicht oder nicht im gewünschten Maße eingetreten seien. Die Befragung der OBs spiegele, da Ende Februar, Anfang März abgeschlossen, auch noch nicht die Anforderungen und Belastungen infolge der Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine wider, die die Kommunen derzeit beschäftigen. Dieser Krieg und seine Auswirkungen zeigen eines sehr deutlich, lässt das Difu den Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, verlautbaren: „Wir müssen noch schneller wegkommen von fossiler Energie.“

von Tim Bartels

Alle Ergebnisse des OB-Barometers 2022 lesen Sie im PDF (4 S.) unter https://kurzelinks.de/v7ff

Kommunen und Regionen: MARSBERG – Fluss renaturiert

Ein Projektseminar der Uni Kassel zeigt Wirkung: Studierende entfernten an der oberen Diemel Uferbefestigungen und haben Nebengerinne und Flachwasserzonen als Aufwuchslebensraum für Jungfische, Amphibien und andere Arten angelegt bzw. erweitert. In zwei Jahren haben sich Struktur und Qualität von der Klasse 5 (stark verändert) um bis zu zwei Klassen verbessert, wie eine Begleitstudie belegt: Elritze und Bachneunauge siedelten sich an.

von Martin Bopp

Uni Kassel, FG Bau- und Umweltingenieurwesen Lehrbeauftragter Jens Eligehausen, Wilhelmshöher Allee 162, 34119 Kassel, eligehausen@uni-kassel.dewww.diemel-entfesselt.de

Aus Unternehmen und Forschung: Strategie für Citizen Science 2030

Diese liegt nun für Deutschland als Weißbuch vor. Das Werk soll anhand von 15 Leitbildern und 94 Handlungsempfehlungen helfen, CS in der Arbeit von Universitäten, Forschenden, Behörden, Verbänden, Vereinen, Museen, Bibliotheken zu verankern. Als weitere Adressen sehen die Akteure Wissenschaftsläden, Reallabore, Volkshochschulen und außerschulische Lernorte.

Das Weißbuch wurde auf Basis des 2016 erschienenen Grünbuchs „Citizen-Science-Strategie für Deutschland 2020“ entwickelt. Die Visionen und Handlungsoptionen darin wurden in einem Bottom-up-Prozess überprüft und aktualisiert. Beteiligt waren mehr als 200 Akteure. So entstanden 15 Handlungsfelder, z.B. das Freiwilligen- und das Datenmanagement, die Datenqualität sowie zu Recht und Ethik oder zu Möglichkeiten der Anerkennung von CS-Aktivitäten.

Zudem wurden neue Anwendungsfelder von CS erörtert – etwa in Medizin und Gesundheit, Sensorik und künstlicher Intelligenz – und Fragen der Begleitforschung diskutiert. Die DBU hat neben dem BMBF den Weißbuchprozess entscheidend gefördert. Um CS als Innovationstreiber für Wissenschaft zu verstetigen, braucht es die Öffnung der Förderprogramme. Die Strategie empfiehlt, Stabsstellen für CS an jeder größeren Forschungsinstitution einzurichten, um einen persönlichen Austausch der Bürger- mit den Berufsforschenden zu erreichen.

von Martin Bopp

Bonn et al. (2021): Weißbuch Citizen-Science-Strategie 2030 für Deutschland. (150 S. PDF)
https://doi.org/10.31235/osf.io/ew4uk
UFZ, Uni Jena, iDiv Halle-Jena-Leipzig, Prof. Dr. Aletta Bonn, aletta.bonn@ufz.de
AG des Netzwerks zum Weißbuch: www.buergerschaffenwissen.de/netzwerk/ag-weissbuch

Best Practice: Energie-Kommune Bedburg – Hautnah mehr Lebensqualität

Der stufenweise Ausstieg aus der Braunkohleförderung und Fossilverstromung markiert das Ende einer Epoche, die mehr als 150 Jahre lang das Rheinische Revier geprägt hat. Mitten drin die Stadt Bedburg, die diesen Wandel auch als Chance begreift. Verschiedenste kommunale und interkommunale Projekte eröffnen neue Perspektiven. Investitionen in den Wechsel fossiler zu erneuerbaren Energieträgern treiben die Energiewende in Bedburg voran. Mit ihren knapp 24 000 Einwohnern hat sich die Stadt frühzeitig auf den richtigen Weg zur angestrebten Treibhausgasneutralität bis 2045 gemacht.

von Markus Schreiber

Interview: Nachhaltigkeitsberichterstattung in Kommunen – „Erst mal eine ordentliche Bestandsaufnahme“

Über die eigene nachhaltige Entwicklung zu berichten, ist Städten und Gemeinden, zumal den kleineren Kommunen, noch nicht geläufig. Großstädten wie Nürnberg, Augsburg oder Frankfurt am Main dagegen schon. Nur: Ihre Berichte seien nicht miteinander vergleichbar, beklagt Wirtschaftsprofessor Andreas Fieber von der TH Rosenheim. Er hat ein Konzept entwickelt, um kommunale Nachhaltigkeitsberichte einheitlich zu gestalten – mit überschaubarem Aufwand, wie er sagt.

Dr. Andreas Fieber, Jg. 65, ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaft und lehrt Finanzen und Controlling an der Technischen Hochschule (TH) Rosenheim, Campus Burghausen. Er forscht u.a. über das Nachhaltigkeitsreporting in Verbindung mit den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDG).

Herr Professor Fieber, was bringt der Kommune ein Nachhaltigkeitsbericht? Ist das kommunale Berichtswesen nicht schon überkomplex genug?
Das stimmt eben nicht. Versuchen Sie mal, sich über Nachhaltigkeit in einer Kommune zu informieren. Wenn Sie für den Gemeinderat kandidieren und wollen den aktuellen Stand zum Thema Nachhaltigkeit rausfinden: Das werden Sie nicht schaffen, da gibt´s nix.

Interview: Tim Bartels

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 8.

Trends: Energiekarawane – Menschen motivieren zu sanieren

Wie kann man HauseigentümerInnen dazu anspornen, sich mit dem Thema energetische Gebäudemodernisierung zu befassen? Bewährt hat sich die „Energiekarawane“, die die Organisationen Fesa und Klima-Bündnis Städten und Gemeinden ermöglichen. Dabei ziehen von der Kommune beauftragte EnergieberaterInnen quasi von Haus zu Haus und werben für ein kostenloses Beratungsangebot.

Ausgangspunkt für eine nachhaltige Renovierung ist stets eine individuelle Entscheidung, bei der der erwartete Nutzen und die erwarteten Kosten gegeneinander abgewogen werden“, heißt es aus der „Renovation Wave“-Initiative der EU-Kommission. Damit wird die wichtige Rolle der Kommune bei der BürgerInnenansprache deutlich. Städte und Gemeinden sind der Schlüssel, um ihre Bürgerinnen und Bürger bzw. HausbesitzerInnen und MieterInnen qualifiziert zu informieren.

von Jan Schwarz und Brice Mertz

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 10.

Klimaschutz an Gebäuden – Klimalast Bau und Zement

Im Gebäudesektor mit dem aktuellen rechtlichen Rahmen werden die angepeilten Klimaziele für 2030 um 18 Prozent verfehlt. Eigentlich soll der CO2Ausstoß, der durch den Energieverbrauch von Gebäuden entsteht, bis 2030 gegenüber 1990 um 68 Prozent sinken. Doch mit Business as usual würden bis dahin 33 Mio. t CO2 zu viel emittiert, heißt es in einer aktuellen Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

„Wir müssen dringend einen Zahn zulegen“, sagt Kerstin Andreae. Wärmepumpen seien für die Versorgung von Gebäuden mit hohem Effizienzstandard prädestiniert, erläutert die BDEW-Geschäftsführerin: „Bei höherer Heizlast betreibt man sie als Hybridsystem mit ergänzendem Gaskessel.“

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 11.

Biomethan – Treibstoff für die Spitzenlast

Wie geht es mit den Biomethan-Ausschreibungen weiter? Nach der ersten vergangenen Dezember werden die Teilnehmer für die nächste Auktion am 1. Oktober einmalig auf die „Südregion“ begrenzt. Mit dem „Osterpaket“ legt die Bundesregierung jetzt neue Pläne vor, die zwar einige attraktive Regelungen mit sich bringen, aber auch zu einem radikalen Abbau des Bioenergie-Anlagenbestands führen könnten.

Du hast nur eine Chance – also nutze sie.“ So könnte das Leitmotiv der Teilnehmer aus dem Norden der Republik an der ersten Ausschreibung für hochflexible Biomethan-BHKW am 1. Dezember 2021 gewesen sein. Wie die Bundesnetzagentur mitteilt, waren 21 Gebote mit insgesamt 148 MW eingegangen. Alle konnten bezuschlagt werden. Bei einem Höchstgebotswert von 19 Ct lag der Durchschnitt bei 17,84 Ct/kWh. Erneuerbare-Energien-Anwalt Helmut Loibl vermutet, dass 19 Zuschläge aus dem Norden kamen: „Hier haben „Hier haben einige Betreiber ihre einzige Chance genutzt.“

von Christian Dany

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 12.

Programm Repower-EU – Booster für die Energiewende

Energiesparen, mehr Energiequellen, mehr erneuerbare Energien und viel Geld – das sind Maßnahmen und Mittel, mit denen die EU-Kommission die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl möglichst schnell verringern will. Wie das genau gehen soll, steht im Programm namens „REPowerEU“, das die Brüsseler Beamten am 18. Mai präsentierten.

„Wir mobilisieren zu diesem Zweck bis zu 300 Milliarden Euro. Davon rund 72 Milliarden in Form von Zuschüssen und 225 Milliarden an Darlehen“, erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Kommission schlägt Verhaltensänderungen wie sparsames Autofahren und weniger Heizen vor, um den Gas- und Ölbedarf um fünf Prozent zu senken. EU-Staaten sollen mit gesenkten Mehrwertsteuersätzen den Kauf energieeffizienter Heizungssysteme, Geräte und Produkte anreizen. Das Energieeffizienzziel erhöht die Kommission von 9 auf 13 Prozent.

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 13.

Abfall: CO2Abgabe für Müllverbrennungsanlagen (MVA) – Entsorgerverbände im Zwist

Die Bundesregierung will die Müllverbrennung ab Anfang 2023 in den nationalen Emissionshandel (BEHG) aufnehmen. Die Abfallbranche ist in der Frage gespalten. Unbestritten ist, dass die deutschen Müllverbrennungsanlagen knapp 24 Mio. t CO2 im Jahr emittieren, und eine CO2Abgabe die Verbrennungskosten erhöhen würde.

Unternehmen und Verbände, die Abfälle wiederverwerten, sprechen sich für eine CO2Abgabe aus. „Müllverbrennung braucht einen CO2Preis“, heißt es beim Berliner Recyclingkonzern Alba. „Abfallvermeidung und Recycling müssen absoluten Vorrang haben vor der Vernichtung von Wertstoffen“, begründet dies Alba-Vorstand Eric Schweitzer. Auch Remondis als größter Abfallentsorger Deutschlands vertritt diese Position, ebenso der Recyclerverband BVSE.

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 14.

Immissionsschutz: Zulassung Glyphosat – EU ist wieder zu spät dran

Die EU-Lebensmittelbehörde Efsa hat den Zeitplan für ihre erneute Bewertung des Herbizids Glyphosat nach hinten verschoben. Dadurch können die EU-Gremien nicht mehr rechtzeitig über eine erneute Zulassung des umstrittenen Pestizids entscheiden. Dessen jetzige Genehmigung läuft am 15. Dezember 2022 aus. Nun droht eine Verlängerung.

Die Efsa begründet die Verlängerung damit, dass während der Konsultation vergangenen Herbst so viele Beiträge eingegangen seien, dass man die neuen Erkenntnisse unmöglich rechtzeitig sichten und bewerten könne. Der neue Zeitplan sieht nun so aus: Der Ausschuss für Risikobeurteilung der Chemikalienagentur Echa wird die Gefahreneinstufung von Glyphosat auf seiner Plenarsitzung am 30. und 31. Mai erörtern. Die Ergebnisse gehen an die Efsa und würden Ende Juli bis Mitte August 2022 veröffentlicht.

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 15.

Energie: Bürgerbeteiligung Windpark – Rückenwind vom BVerfG

Manchmal gehen Klagen nach hinten los und klären die Situation genau gegenteilig zum angestrebten Ziel. So hatte 2017 der Projektentwickler UKA gegen die Pflicht zur Bürgerbeteiligung an seinem Windpark in Mecklenburg-Vorpommern Verfassungsbeschwerde eingelegt. Ende März 2022 – man beachte die Zeitdifferenz – hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) nun entschieden, eine Pflicht Anwohnern und Kommunen an Windparks zu beteiligen sei im Grundsatz zulässig. Und damit dann auch das mecklenburg-vorpommernsche Bürger- und Gemeindenbeteiligungsgesetz (BüGembeteilG) von 2016, nach dem Windparks über eine eigens zu gründende Projektgesellschaft zu betreiben und die Genannten im Umkreis von 5 km zu mindestens 20 Prozent am Ertrag zu beteiligen sind.

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 17.

Mobilität: Umfrage zu Elektromobilität und ÖPNV I – Eingefahrenes Verhalten

Trotz aktuell boomender E-Mobilität kann sich die Mehrheit der Deutschen nicht für Elektroautos erwärmen. 52 Prozent halten einen E-Auto-Kauf für unwahrscheinlich, 22 Prozent haben keinerlei Pläne für die Anschaffung eines Autos. Nur 26 Prozent der Befragten können sich vorstellen, als nächstes Fahrzeug ein Elektroauto zu kaufen. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des Tüv-Verbandes.

Demnach fürchten 49 Prozent der 1 000 befragten BundesbürgerInnen ab 16 Jahren eine zu geringe Reichweite von E-Autos; 46 Prozent halten die Anschaffungskosten für zu hoch und 44 Prozent bezweifeln die ausreichende Verfügbarkeit von Ladestationen. Zudem sind 42 Prozent der Befragten skeptisch, ob Elektrofahrzeuge tatsächlich umweltfreundlicher sind als Verbrenner.

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 19.

Klima: Methan – Von Politik & Unternehmen unterschätzt

Die Methanemissionen sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen und tragen erheblich zur Erderwärmung bei. Doch das Treibhausgas CH4 werde von nationalen und internationalen Regelwerken immer noch unzureichend reguliert, bemängeln Nachhaltigkeitsforscher des IASS Potsdam. Sie sehen dringenden Handlungsbedarf.

Die Regulierung von Methan (CH4) auf Basis einer „CO2Äquivalenz“ bedeutet, so IASS-Forschungsleiterin Kathleen Mar, „dass seine Klimawirkung nur auf einer 100-Jahres-Skala angemessen berücksichtigt wird“. Dies vernachlässige aber die Klimaänderungen durch CH4 im Laufe der nächsten 20 Jahre. In denen nämlich ist die Erwärmung durch CH4 mindestens 80-mal stärker als die durch CO2. Die kurze Lebensdauer von CH4 – im Vergleich zu CO2 beginnt es, sich viel schneller in der Atmosphäre zu verflüchtigen – signalisiert, dass die Eindämmung von CH4 die entscheidende Rolle in diesem Jahrzehnt spielen könnte, um die Erhitzung des Planeten in den Griff zu bekommen.

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 20.

Naturschutz: Natürlicher Klimaschutz – Aktion auf zehn Feldern

Laut Koalitionsvertrag der Ampel hat die Bundesregierung versprochen, ein Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) zu entwickeln. Nun hat das Bundesumweltministerium (BMUV) als „Fundament“ dafür schon mal ein achtseitiges Eckpunktepapier formuliert.

Unter „natürlichem Klimaschutz“ versteht das BMUV die Bindung und langfristige Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre durch Wälder und Auen, Böden und Moore, Meere und Gewässer sowie Grünflächen in Städten und Gemeinden. Vier Milliarden Euro stellt die Bundesregierung dafür bis 2026 zur Verfügung. Insgesamt zehn Handlungsfelder sind in dem BMUV-Papier genannt, der verstärkte Schutz noch intakter Moore und die Wiedervernässung alter Moorstandorte ist eines davon.

Den gesamten Text lesen Sie in Ausgabe Juni 2022 auf Seite 21.

Publikationen

Mit Permakultur lassen sich Agrarflächen so gestalten, dass sie wie selbst regulierende Ökosysteme funktionieren. Die Verbraucher Initiative stellt Methoden zu dieser Ressourcen- und klimaschonenden Anbauweise vor, die sich im eigenen Beet oder Kübel, auf Terrasse oder Balkon nutzen lassen. Ein Beispiel ist der Etagengarten: Hier bilden Kräuter oder Bodendecker die untere Etage, die Mitte wird von einer Tomaten- oder Blühstaude belebt, und am höheren Bäumchen oder Strauch wachsen Naschfrüchte.

von Martin Bopp

Das Themenheft Permakultur (16 S.) kostenlos als PDF unter www.verbraucher.com bzw. oder für 2 Euro zzgl. Versand bei: Verbraucher Initiative, Georg Abel, Elsenstr. 106, 12435 Berlin, Fon 030/536073-3, Fax –45