Seit November können Produkte freiwillig mit dem Nutri-Core gekennzeichnet werden. Bild: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
15. Dezember 2020 | Aktuelles

Nutri-Score: Botschaft auf den ersten Blick

Ist dieses oder jenes Fertigprodukt eigentlich gesund oder nicht? Diese Frage stellt sich im Supermarkt immer wieder neu, wenn man ins Regal greift. Nährwerttabelle und Zutatenliste auf der Verpackung sind selten klar und verständlich, oft ohnehin nur mit der Lupe zu entziffern. Nun ist der Weg frei für ein Farb- und Buchstabensystem, das schnell erkennen lässt, ob die Ware gesund oder eher ungesund ist: der Nutri-Score.

Zu viel Zucker, Fett oder Salz

Fast zwei Drittel der Männer, mehr als die Hälfte der Frauen und 15 Prozent der Kinder hierzulande sind übergewichtig. Oft liegt das an einer falschen, zu einseitgen Ernährung: zu viel Zucker, zu viel Fett oder Salz.

Die neue Ernährungsampel

Damit Verbraucher beim Einkauf ihres Essens gesund von ungesund unterscheiden können, dürfen Hersteller seit dem 6. November 2020 den sogenannten Nutri-Score für ihre Produkte nutzen. Mit einer 5-stufigen Farbbuchstabenkombination, vom dunkelgrünen A bis zum roten E, lässt sich die Nährwertqualität verschiedener Lebensmittel wie Tiefkühlpizza, Frühstücksflocken oder Fruchtjoghurt auf einen Blick vergleichen. Innerhalb einer Produktgruppe trägt eine Ware, die mit hellgrünem „B“ bewertet wird, eher zu einer gesunden Ernährung bei als ein Produkt mit orangem „D“.
Für den Nutri-Score spricht, dass er wissenschaftlich getestet und in der Praxis bereits erprobt ist.

Vorreiter Frankreich

Frankreich nutzt dieses Label schon seit 2017 auf freiwilliger Basis. Laut einer Umfrage wird die farbige Skala von 91 Prozent der französischen Bevölkerung befürwortet, 87 Prozent sagen sogar, der Nutri-Score solle zur Pflicht für Lebensmittelhersteller werden.
Leider ist diese Art der Lebensmittelampel nun auch in Deutschland nur freiwillig. Für ein verbindliches System, an das sich auch alle ausländischen Produzenten halten müssten, wäre eine EU-weite Regelung notwendig. Das Interesse deutscher Hersteller an dem Logo ist noch gering. Stand November 2020 sollen sich erst 58 Unternehmen aus Deutschland „für die Verwendung des Nutri-Scores bei der für den Nutri-Score zuständigen Markeninhaberin, der Santé publique France, registriert“ haben, teilt das Bundesernährungsministerium (BMEL) mit.

Süßstoffe gesunder Zuckerersatz?

Es ist wichtig, dass sich jetzt viele Unternehmen beteiligen und andere nach und nach mitziehen, damit die einfache Kennzeichnung langfristig wirklich flächendeckend eingesetzt wird. Indes müsse die Bundesregierung dafür sorgen, „dass der dahinterstehende Algorithmus regelmäßig überprüft und angepasst wird“, fordert die frühere grüne Verbraucherschutzministerin Renate Künast, „damit beispielweise der Einsatz von Süßstoffen oder Geschmacksverstärkern nicht belohnt wird“. Auch Foodwatch rät von süßstoffgesüßten Getränken ab. Sie seien „keine gesunden Durstlöscher, denn Süßstoffe fördern die allgemeine Süßgewöhnung“, warnt die Verbraucherschutzorganisation. Bei der Berechnung des Nutri-Scores für Getränke sollte die Verwendung von Süßstoffen zu einer Abwertung führen.


Die Nutri-Score-Bewertung stimmt mit den zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei den allermeisten Produkten überein. Lebensmittel, deren Verzehr die DGE empfiehlt, würden auch vom Nutri-Score als die bessere Wahl eingestuft.
Die 10 Regeln der DGE für eine vollwertige Ernährung:  www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge

Wie Nutri-Score funktioniert

1. Ausgewogenes oder unausgewogen. Für die Berechnung werden günstige Nährstoffe, die man reichlich zu sich nehmen sollte, mit ungünstigen, die nur in geringen Mengen benötigt werden, verrechnet. Positiv zu Buche schlagen Ballaststoffe, Eiweiße, Obst und Gemüse, negativ bewertet werden gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz. Der Nutri-Score bezieht sich jeweils auf 100 g oder 100 ml eines Lebensmittels.

2. Von A bis E. Das Ergebnis wird in eine fünfstufige Farbskala, die mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist, übersetzt. Eher ausgewogene Produkte erhalten ein dunkelgrünes A oder hellgrünes B, im mittleren Bereich gibt es ein gelbes C und eher unausgewogene Produkte wie Süßwaren oder fettige Snacks bekommen ein orangenes D oder gar ein rotes E.

3. Auf einen Blick. Der Nutri-Score spricht keine Verbote aus. Sondern er hilft – insbesondere bei verarbeiteten Produkten wie Fruchtjoghurts, Tiefkühlpizzen oder Frühstücksflocken – auf einen Blick das ausgewogenere Produkt zu erkennen, ohne mit viel Zeitaufwand und Fachwissen Nährwerttabellen studieren zu müssen.

4. Unterschiede innerhalb einer Produktkategorie. Erdbeerjoghurts können in Sachen Nährwerte mitunter sehr unterschiedlich sein: Eine bestimmte Marke kann doppelt so viel Zucker, doppelt so viel Kalorien und vier Mal so viel gesättigte Fette wie der Joghurt einer anderen Marke enthalten – der Nutri-Score zeigt das unausgewogenere Produkt auf einen Blick.

5. Hilft gegen irreführende Werbeversprechen. Nicht zuletzt macht es der Nutri-Score Anbietern schwerer, Verbraucher mit irreführenden Werbeversprechen zu täuschen. Denn die Nutri-Score-Ampel entlarvt auf einen Blick, wenn Zuckerbomben als gesund beworben werden.

6. Führt zum Einkauf gesünderer Lebensmittel. Die französische Regierung hat in einer großen Studie gezeigt, dass der Nutri-Score nachweislich zu einem gesünderen Einkaufsverhalten einlädt. Dafür wurden fast zwei Millionen Verpackungen in sechzig Supermärkten mit verschiedenen Nährwertkennzeichnungen versehen – der Nutri-Score zeigte den stärksten positiven Einfluss auf das Einkaufsverhalten.

Weitere Informationen auf der Homepage von Foodwatch:  www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/mehr-zum-thema/nutri-score-die-wichtigsten-fragen-antworten

Beispiel Getränke

Auch für Getränke bewertet der Nutri-Score die darin enthaltenen Nährstoffe – positive wie negative:

  • Ein Apfelsaft würde z.B. mit einem gelben „C“ bewertet, da dieser zwar viel Frucht enthält und damit auch günstige Nährwerte, aber mit 110 Gramm je Liter auch extrem viel Zucker.
  • Dagegen bekäme eine Coke light ein „B“. Wie das? Ganz einfach: Das Produkt ist zuckerfrei und enthält gar keine Nährwerte – weder günstige noch ungünstige.
  • Normale Cola enthält ähnlich viel Zucker wie Apfelsaft, aber anders als Saft keinerlei gesundheitsfördernde Bestandteile. Coca-Cola würde mit rotem „E“ gekennzeichnet.

Quelle Foodwatch

Autor: Tim Bartels, aus  UmweltBriefe, Dezember 2020.

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