Symbolfoto zur Geschlechterquote: rote und schwarze Spielfiguren
16. März 2018 | Aktuelles

Geschlechterquote greift

In den Kontrollgremien der etwa hundert Unternehmen in Deutschland, die seit 2016 an die 30-Prozent-Quote gebunden sind, ist der Frauenanteil bis Ende 2017 auf durchschnittlich 30 Prozent gestiegen. Das sind fast drei Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Erstmals zeigt das Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dass zahlreiche Unternehmen den Frauenanteil in ihrem Aufsichtsrat auch über das vorgegebene Minimum hinaus erhöhen.

Von einer Signalwirkung für Vorstände und Geschäftsführungen, für die es in Deutschland bislang keine Quote gibt, kann jedoch keine Rede sein: Dort herrscht mit Blick auf den Frauenanteil beinahe Stillstand. Der verblieb nämlich im Durchschnitt der umsatzstärksten 200 Unternehmen bei etwas mehr als acht Prozent. Lediglich bei den 30 größten börsennotierten Unternehmen (DAX-30) und bei den Unternehmen mit Bundesbeteiligung erhöhte er sich jeweils um rund zwei Prozentpunkte auf 13 beziehungsweise fast 18 Prozent. In anderen Gruppen wie bei den Versicherungen ging der Anteil der Vorständinnen zurück.

„Zur Wahrheit gehört, dass ohne Druck und drohende Sanktionen offensichtlich fast nichts vorangeht“, sagt DIW-Gender-Studies-Forschungsdirektorin Elke Holst. Um nachhaltig mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sollten die Unternehmen im eigenen Interesse zügig einen Pool geeigneter Kandidatinnen auf- und ausbauen, fordert Holst: „Andernfalls liegt es an der Politik, gegebenenfalls auch darüber nachzudenken, die bisherigen Regelungen für Frauen in Vorständen und Geschäftsführungen, die auf Freiwilligkeit basieren, zu verschärfen.“

Grundsätzlich gehe es aber nicht um ein Gegeneinander von Politik und Unternehmen, sondern vielmehr um gemeinsame Anstrengungen. So sei einerseits die Politik gefragt, die Rahmenbedingungen zu verbessern, so Holst. Dazu zählt sie beispielsweise den qualitativen und quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung und eine Forcierung der partnerschaftlichen Aufteilung der unbezahlten Arbeit in Haushalt und Familie, etwa durch den Ausbau der Vätermonate beim Elterngeld. Andererseits sei aber auch jedes einzelne Unternehmen gefragt, indem es seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Zeitsouveränität ermöglicht. Die Digitalisierung biete zahlreiche Möglichkeiten, diesen Wandel zu unterstützen. (DIW/tb)

Der DIW-Wochenbericht mit den Ergebnissen des Managerinnen-Barometers 2018 steht bereit unter  http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=574727.